Full text : Das Haus Röchling und seine Unternehmungen

zu einer sogenannten Gründung bentuzt wurde.
Dupont und Dreyfus verkauften sie 1873 an die
Oesterreichische Kreditbank, welche eine „Aktiengesellschaft
 Lothringer KEisenwerke‘‘ aus ihnen
machen wollte. Ehe aber die Ausgabe der Aktien
an der Börse erfolgen konnte, kam der große
Wirtschaftskrach und die Oesterreichische Kreditanstalt
 blieb auf der Sache sitzen, da nun eine
Aktienausgabe mit irgendwelcher Aussicht auf Erzielung
 eines höheren Preises als des Nennwertes
ausgeschlossen war. Da die Aktien nur mit 40
Vomhundert eingezahlt waren, so hatte die Kreditbank
 zunächst die übrigen 60 Vomhundert einzahlen
 lassenı müssen, um die Hypotheken von 10
Millionen Mark abzutragen, welche auf dem Unternehmen
 lasteten. Da dazu aber die Mittel nicht
vorhanden waren, ließ sie sich dieselben auf
mehrere Jahre verbürgen und mußte die ganze
Niedergangszeit hindurch die Hypothekenzinsen von
5 Vomhundert in Francs noch dazu mit großen
Kursverlusten bezahlen. Das belastete das Unternehmen
 weiter. Als endlich die Aktien zum Zwecke
der Hypothekentilgung eingezahlt wurden, ließen
sich zahlreiche Aktionäre ihre Anteile kürzen, da
sie zu weiteren Einzahlungen außerstande waren.
So wurden 3,5 Millionen Mark aufgebracht, während
 0,6 Million ausfielen. Unter diesen Umständen
 blieb nichts übrig, als 1879 das Aktienkapital
 unter Zusammenlegung der Aktien von 18 Millionen
 Francs auf 6262 500 Mark herunterzusetzen.
Dieses Unternehmungskapital aber genügte auf
keine Weise, und so wurde am 30. April 1881
beschlossen, durch Ausgabe von Prioritätsaktien zu
6 Vomhundert Verzinsung 3150000 Mk. Kapital
zur Verbesserung des Werkes zu beschaffen. Diese
Ausgabe blieb jedoch‘ ohne Erfolg. Inzwischen
nahm sich der Frankfurter Bankverein der Unternehmung
 an und gewährte ihr den nötigen Kredit,
der sich schließlich auf ı,1 Million Mark belief
und auf eine Kautionshypothek zur ersten Stelle
auf die Immobilien nebst Pertinenzien sicherge
stellt wurde.
Nachdem die Dinge soweit gediehen waren,
kam Robert Böker, ein Schwiegersohn von Joh
Kaspar Harkort in Harkorten bei Haspe, der, obwohl
 nur wenig an dem Unternehmen beteiligt,
am 30. April 1881 in den Aufsichtsrat gewählt
worden war, auf den Gedanken, die Lothringer
Eisenwerke in Ars an der Mosel auf eine neue
Grundlage zu stellen durch Fusion mit den Rheinischen
 Stahlwerken in Ruhrort. Das war ein
geistiger Griff in eine Zukunft, wie sie nach
zwanzig Jahren wohl erreichbar wurde, wie sie aber
damals noch außerhalb der Möglichkeit der Verwirklichung
 lag. Puddelwerk und Walzwerk waren
in schlechtem Zustande und wirtschafteten aus vielen
 Gründen sehr teuer. Dagegen hatten die Hochöfen
 leidliche Selbstkosten. Er dachte daran.
Puddelwerk und Walzwerk abzubrechen, das Hoch
ofenwerk zu erweitern und das Roheisen nach Ruhrort
 zur Weiterverarbeitung zu verfahren. Die drei
Hochöfen in St. Paul waren, wenn auch‘ etwas
klein, so doch in gutem Stande, diejenigen in St.
Benoit freilich zur Zeit außer Betrieb und nicht
mehr betriebsfähig. Natürlich war eine Fusion nur
unter abermaliger starker Zusammenlegung der
Aktien möglich und zwar auf eine halbe Million:
der Frankfurter Bankverein war damit einverstanden,
 wenn er nur seine ı,1 Million bar zurückerhielt,
 und wäre mit Bezahlung in Aktien der
Rheinischen Stahlwerke einverstanden gewesen.

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