Ermäßigung der Koksfracht nach Frankreich, um
Pont-A-Mousson den Koks zu verbilligen und es
von dem belgischen und französischen Koks mögıchst
unabhängig zu machen. Freiherr von Stumm
widersetzte sich dem, weil er in einer einseitigen
Frachtermäßigung des Ruhrkoks für die Zwecke
der französischen Hochofenindustrie eine schwere
Benachteiligung der Eisenindustrie an der deutschen
Mosel und an der Saar sah, und es gelang
zeinem weitreichenden Einflusse auch, die Frachtermäßigung
für Frankreich zu vereiteln. Dieser
Kampf um wirtschaftliche Interessen brachte Karl
Röchling in eine schwierige Lage, weil er den Anschein
erweckte, als vertrete er die Interessen des
Auslandes gegen die deutsche Industrie. Da ihm
innerlich nichts ferner lag als das, entschloß er
sich bald darauf, Pont-ä-Mousson aufzugeben und
so seinen ideellen Interessen ihre alte Einheit zu
rückzugewinnen. Der äußere Anlaß zur Durch:
führung dieses Entschlusses, der seine tiefere Wurzel
in dem Verhältnis zwischen dem Deutschen
Reiche und Frankreich hatte, blieb nicht aus.
Seit dem Auftauchen des Thomaspatentes war
Karl Röchling unausgesetzt bemüht, neue Eisensteinfelder
für Pont-ä-Mousson zu erwerben, und
machte an etwa zehn Stellen selbständige Versuche.
Aber jedesmal scheiterten dieselben an irgendeinem
ınscheinbaren Umstande. Daß das bei dem ertragswirtschaftlichen
Geschick, das Karl Röchling
in solche Dinge legte, kein Zufali sein konnte,
war ihm bald klar. Eine Indiskretion verriet schließlich
die Ursache, daß der betreffende französische
höhere Bergbeamte, dem die Hauptentscheidung
über die Konzessionserteilung oblag, alle dahin abzielenden
Versuche mit dem Bemerken zu beseitigen
suchte, daß Pont-4-Mousson größtenteils den
Prussiens gehörte. Karl Röchling steckte das nicht
ruhig ein, sondern ließ durch den Rechtsbeistand
von Pont-4-Mousson der Bergbehörde die Erklärung
abgeben, daß diese Frage nicht als eine
innere französische von französischen Behörden
allein entschieden, sondern als eine internationale
von Regierung zu Regierung geregelt werden müsse,
und fand Mittel, die Sache im Staatsrate zu Paris
zur Sprache zu bringen. Das Ergebnis war, daß
der Vorsitzende des Staatsrates durch den Gene:
ralbergwerksdirektor dem Vertreter von Pont-ä-Mousson
erklären ließ, es seien allerdings Mißverständnisse
vorgekommen, und die gerade in
Frage stehende Minettekonzession sei bereits einem
anderen Bewerber zugesagt. Pont-a-Mousson solle
aber das erste freie Feld, das es erbohren und in
Anspruch nehmen würde, zugeteilt erhalten. Dieses
Versprechen wurde auch erfüllt. Sehr bald wurde
tatsächlich ein sehr großes wertvolles Eisenstein.
feld in dem neuerschlossenen Erzgebiet von Briey
Pont-ä-Mousson verliehen.
Nicht immer aber vermochte die deutsche Tatkraft,
welche sich nicht scheute, sich mit Rechtsgründen
auch an den Gegner zu wenden, die
Uebel zu überwinden, welche aus dem französischen
Chauvinismus erwuchsen. Seit dem Jahre 1887 hatte
infolge der vorübergehenden scharfen Spannung
zwischen Deutschland und Frankreich die deutschfeindliche
Volksstimmung in Frankreich eine weitere
Verschärfung erfahren. Derselben ‚fiel schließlich
auch der Franzose Roge6 anheim, welcher als
Gerant an der Spitze von Pont-ä-Mousson stand,
ja er benützte dieselbe für seine persönlichen
Zwecke. 1890 gab es ein unangenehmes Vorkommnis
bei einer Röhrenvergebung in der Stadt Havre