Full text : Das Haus Röchling und seine Unternehmungen

großen internationalen Ausstellung in Wien im
Jahre 1873 wurden die Leitungsrohre‘ jm Innern
der Ausstellung sämtlich aus Pont-ä-Mousson bezogen.
 Ebenso die gesamte Rohrleitung für das
neuangelegte Gaswerk in Budapest. Bei diesen Ausfuhrverkäufen
 nach Oesterreich und ähnlichen nach
der Schweiz war der Eisenhütte häufig die Lud
wigshafener Firma behilflich.
Diese Erfolge hatten in Verbindung mit der
Stimmung, welche die Niederlage von 1870 im französischen
 Volke zurückgelassen hatte, die Wirkung,
daß sich unter dem französischen Mitbewerbe den
Unternehmern gegenüber eine wachsende Feindseligkeit
 geltend machte, welche den französischen
Chauvinismus gegen die industrielle Tätigkeit Deutscher
 in Frankreich aufrief. Unter dem Drucke
dieser Verhältnisse zogen es die Gesellschafter vor,
um sich nicht unnötige geschäftliche Schwierigkeiten
 zu machen, den Namen Haldy, Röchling
& Cie. fallen zu lassen und an die Stelle der persönlich
 benannten Firma eine Aktiengesellschaft
„Socie&tE& anonyme des hauts fourneaux de Pont-ä-Mousson“*
 zu setzen, an deren Spitze als alleiniger
sichtbarer Gerant der Franzose Roge stand.
Aber mit der Abänderung des Aushängeschildes
 waren nicht die inneren Schwierigkeiten beseitigt,
 welche sich aus der Sachlage für die deutschen
 Unternehmer ergaben. Karl Röchling hatte
wie das gesamte deutsche Großgewerbe den Uebergang
 vom Freihandel zum Schutzzoll im Deutschen
Reiche aus Ueberzeugung mitgemacht und seine
Geschäfte den neuen Verhältnissen des Schutzzollstaates
 angepaßt und auf ihrer Grundlage neue
Unternehmungen gegründet. Durch die Beteiligung
zeines Hauses an Pont-ä-Mousson aber war er in
eine gewisse Zwiespältigkeit der Interessen hineingeraten,
 welche auf dem Felde der Zollpolitik wie
der Frachtpolitik zum Ausdruck kam. Der deutsche
Röhrenzoll schützte den deutschen Markt, auf dem
seine Ludwigshafener Firma große Röhrengeschäfte
machte, aber der Einfuhr von Pont-ä-Moussoner
Röhren war er ungünstig. Die französischen acquits
förderten. die französische Röhrenausfuhr, aber sie
durchbrachen den dem deutschen Zollgebiete zustehenden
 Zollschutz. Eine Frachtermäßigung der
französischen Bahnen stärkte die Mitbewerbsfähigkeit
 der französischen KEisenindustrie, aber sie
schwächte die der deutschen. Karl Röchling hätte
nicht der einheitliche Mann aus deutschem Buscheichenholz
 sein können, wenn er diesen innern
Zwiespalt auf die Dauer hätte ertragen können.
Ebensowenig konnte er auch nur einen Augenblick
darüber im Zweifel sein, auf welche Seite er sich
zu schlagen hatte. Wie das englische Roheisengeschäft
 des Ludwigshafener Hauses dem deutschen
Roheisengeschäft auf dem deutschen Markte hatte
weichen müssen, so wuchsen nach und nach die
deutschen Eiseninteressen seines Hauses über diejenigen
 der französischen Eisengießerei empor.
Beide gerieten in Zoll- und Frachtfragen nicht sel-:en
 in scharfen Widerstreit. So selten auch große
Mengen Pont-a3-Moussoner Röhren über die
deutsche Zollgrenze kamen, so geschah es doch
gelegentlich mit Hilfe der acquits ä caution und
es begann dann ein hartnäckiger Preiskampf mit
der Halbergerhütte des Freiherrn von Stumm, bei
dem dieselbe gelegentlich zurückgeworfen wurde.
Ein gleiches stellte sich ein, als 1886 die Frage
einer Ermäßigung der Ruhrkoksfracht nach dem
Südwesten auf der Tagesordnung erschien. Da erstrebte
 Karl Röchling mit allem Nachdruck eine
            
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