Full text : Das Haus Röchling und seine Unternehmungen

10. Die Eisenhütte Pont-ä-Mousson.
Schon Anfang der fünfziger Jahre beschäftigte
sich Karl Röchling mit dem Plane der Gründung
eines Eisenwerkes. Die Eigenart des Saargebietes
mit seinen großen Stummschen Hütten wies darauf
hin. Dazu kam 1856 die Gründung der Burbacherhütte
 durch eine belgische Gesellschaft. Es war
aber nicht die Hochofenindustrie, welche ihn lockte,
sondern die Blechherstellung. Die in der ersten
Hälfte der fünfziger Jahre stark ansteigenden Blechpreise
 schienen ihm einen lohnenden Ertrag auf
diesem Felde zu versprechen. Um 1854 ließ er von
einem Fachmann einen Plan ausarbeiten, und 1857
kam er auf denselben zurück und ließ ihn einer
Neubearbeitung entsprechend den inzwischen verinderten
 Verhältnissen unterziehen. Der beidemalige
 Bearbeiter war ein Blechwalzwerkssachver
ständiger Fief, welcher längere Zeit bei der Aktien
gesellschaft der Dillinger Hüttenwerke tätig gewesen
 war und von da nach Engers bei Neuwied
zekommen war. Die Kostenanschläge waren für
ain Puddling- und Walzwerk bestimmt, welches alle
Sorten Sturzblech und Kesselblech liefern sollte.
Dasselbe sollte nach dem letzten Plane aus einer
Luppen- und Platinenwalze mit Paketwalze zum
Strecken der schweren Päcke, einer Kesselblechwalze
 und einer Sturzblechwalze mit einer Vorwalze
 bestehen, auf welcher zugleich leichtere Kesselbleche
 und stärkere Sorten Sturzblech vorge:
walzt werden sollten. Mit denselben sollten jährlich
 4,5 Millionen Pfund = 2250 Tonnen Blech
gefertigt werden, welche nach den vorhandenen
Verbrauchsverhältnissen sich auf 2 Millionen Pfund
ainmal geschweißtes Kesselblech einschließlich der
stärkeren Sorten Sturzblech, ı,2 Millionen Pfund
zweimal (geschweißtes Kesselblech, 0,8 Million Pfund
ireimal geschweißtes Kesselblech und o,5 Million
Pfund feineres Sturzblech verteilen sollten, zu denen
5396725 Pfund Luppen und Rohschienen Verwendung
 finden sollten. Diese sollten in vier bis fünf
oder mit der Reserve in sechs Puddlingöfen hergestellt
 werden. Die Leistung des Puddelofens wurde
zu 12 Chargen von je 450 Pfund in 24 Stunden
angenommen, eine Annahme, die Karl Röchling
auf 10 Chargen zu 400 Pfund herabsetzte. Aus
dem Roheisen nahm man ein Puddeleisenausbringen
von 89,3 Vomhundert an und rechnete auf den
Ofen bei 270 Betriebstagen eine Erzeugung von
1 301940 Pfund Puddeleisen. Ferner wurden vier
Schweißöfen in Aussicht genommen, und zwar drei
zur Kesselblechwalze und der vierte für die Walze,
welche in der Sturzblechlinie arbeitete. Dazu zwei
Blechglühöfen, allenfalls noch mit besonderem Ausglühofen.
 Dazu ferner ein großer Glühofen zum
Nachwärmen außergewöhnlich langer und nicht in
ajner Hitze auswalzbarer Tafeln. Im Nebenzweck
sollte ein Puddlingofen Dampf für ı0 Pferdekraft
und ein Schweißofen Dampf für 25 Pferdekraft
liefern. 5 Puddel- und 4 Schweißöfen brachten
somit 150 Pferdekraft auf, sodaß für die noch weiter
 nötigen 63 Pferdekraft nur noch drei Kessel
mit besonderer Heizung erforderlich waren. Da
Karl Röchling in der Anlage auch feines Sturzblech
 hergestellt sehen wollte, so reichte die Kraft
der Puddel- und Schweißöfen nicht für den Walzenbetrieb
 aus. Die Anlage selbst sollte 115 000 Taler
kosten, und das Betriebskapital sollte 100 000 Taler
betragen. Davon wurden auf den halbjährigen Roheisenvorrat
 von drei Millionen Pfund 75 00oo Taler
und auf Luppen und andere Vorräte 25 000 Taler
            
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