Full text : Festschrift für den 29. Rheinischen Provinzial-Lehrertag am 13., 14. und 15. Juni 1905 in Saarbrücken

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Antrag wurde abgelehnt. Das Gymnasium sollte nach dem Willen
der Behörde bestehen bleiben, weil es die einzige Anstalt dieser Urt
in einem großen Landesteile war. Nun kamen die Stadträte ein
um die Genehmigung zur Errichtung einer Gewerbeschule und einer
Fortbildungsschule. Am 29. März 1856 genehmigte der Minister
diesen Antrag. Auf Kosten der Städte wurde ein Haus in der Tal—
straße für die Schule erworben und durch einen Anbau vergrößert.
Am 28. Oktober 1856 wurde die Gewerbeschule ohne jede Feier
eröffnet. Sie hatte im ersten Jahre 2 Klassen mit 52 Schülern. Die
dritte obere Klasse konnte erst im folgenden Jahre errichtet werden.
Der erste Direktor war Dr. Bothe. Die Zahl der Schüler stieg bis
1872 auf 82. Auf Antrag der Regierung wurde im Jahre 1874
die Gewerbeschule umgestaltet. Nach oben wurde eine Fachklasse
und nach unten eine Vorschnle mit drei Klassen angeschlossen, sodaß
jetzt die Anstalt aus sieben Klassen bestand. Das Seugnis der Keife
für die Fachklasse berechtigte zum einjährig-freiwilligen Heeresdienst.
Die Abiturienten erhielten die Berechtigung zum Besuch einer tech—
nischen hochschule, zum Besuch der Königlichen Bauakademie und
zur Ausbildung als Markscheider. Sofort stieg die Sahl der Schüler
1875 auf 215. In die Unterhaltung der Anstalt teilten sich der
Staat, die Städte und der Kreis.
Der Direktor der Gewerbeschule stand gleichzeitig der städtischen
handwerker⸗Fortbildungsschule vor. Besucht wurde diese durchschnitt⸗
lich von 70 bis 100 Schülern, welche in zwei Klassen an zwei
Abenden in der Woche und Sonntag-Vormittags je 2 Stunden im
Deutschen, im praktischen Rechnen und ZSeichnen, in der Geometrie
und in Naturlehre unterrichtet wurden.
Der immer stärker werdende Besuch der Gewerbeschule ließ
schon bald den Wunsch aufkommen nach einer Erweiterung ihrer
Berechtigungen. Die Städte und der Kreis beantragten deshalb 1880
bei der Schulbehörde Umwandlung der Anstalt in ein Realgymnasium
und Übernahme durch den Staat. Der Minister lehnte beide An⸗
träge entschieden ab und empfahl die Einrichtung einer Realschule
zweiter Ordnung. Eine solche Schule genügte jedoch den Bedürf—
nissen nicht, und so nahm man vorläufig von der Umwandlung Ab—
stand. Wieder angeregt wurde die Frage 1890 und nahm einen
dringlichen Charakter an, als die Unterrichtsreform im Jahre 1891
nur Anstalten mit sechs oder neun Klassen bestehen ließ. hiernach
mußte die Gewerbeschule entweder die oberste Klasse verlieren oder
sich zur neunklassigen Oberrealschule weiter entwickeln. Die Städte
und des Kreis entschieden sich natürlich für den letzteren Weg. Sie
            
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