Full text : Festschrift für den 29. Rheinischen Provinzial-Lehrertag am 13., 14. und 15. Juni 1905 in Saarbrücken

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Im Jahre 1663 ließ Graf Gustav Adolf eine Statistik der schul⸗
pflichtigen Jugend aufnehmen. In Saarbrücken und St. Johann
zusammen fanden sich 58 schulpflichtige Knaben und 53 schulpflichtige
Mädchen. Von diesen besuchten nur 39 Knaben und 28 Mädchen die
Schule und verteilten sich auf drei Klassen. In der ersten waren nur
Cateinschüler, in der zweiten 6 Lateinschüler und 25 deutsche Knaben
und in der dritten Klasse wurden drei Knaben mit 28 Mädchen zu—
sammen unterrichtet. 44 Kinder — fast die hälfte — besuchten gar
keine Schule. Graf Gustav Adolf hatte den ernsten Willen, dem
Gymnasium wieder zu der vorigen Blüte zu verhelfen. Zu dem
zwecke führte er den Schulzwang ein. Ellen Eltern war bei hoher
Strafe geboten, ihre Kinder zur Schule zu schicken, sobald sie 5*⸗
Jahre alt wären. Die Schulpflicht endigte für die Knaben mit dem
13. und für die Mädchen mit dem 10. Lebensjahre. Leider wurden
diese trefflichen Absichten vereitelt durch die Kriegsereignisse. Wieder
war das Saarbrücker Land auf Jahre hinaus den Schrecknissen des
Krieges ausgesetzt. 1677 wurde Saarbrücken in Brand gesteckt, und
nur wenige häuser, darunter auch das Gymnasium, blieben verschont.
Natürlich lag der Unterricht jetzt ganz darnieder. Ein Bürger be—
richtet über die damaligen beiden Lehrer, „der eine sei lahm und
höre nicht wohl, der andere sei ein Fischer.“ In diesen schlimmen
Zeiten hielt es sehr schwer, „taugliche Subjekte für die lateinische Schule
anzuschaffen.“ Ein Übelstand war es auch, daß Rektor und Ron—
rektor zugleich Pfarrstellen versahen.
Erst unter der Regierung des Fürsten Wilhelm heinrich gelangte
das Gymnasium wieder zu einiger Blüte. Da das alte Schulgebäude
baufällig geworden war, ließ dieser Fürst ein neues errichten, das
1752 fertig wurde. Der Neubau kostete mehr denn 11000 Gulden
und bildete den Abschluß der Wilhelmstraße. Im Jahre 1760 war
die Zahl der Schüler bereits auf 78 gestiegen. Leider wurde das
schöne neue Schulgebäude schon bald wieder zumteil zerstört. Nachdem
die CLudwigskirche erbaut war, wollte der Sürst von der Wilhelm⸗
straße aus einen unmittelbaren Zugang zum Virchenplatze schaffen
und ließ daher den mittleren Teil des Schulgebäudes, in dem sich
die Klassenräume befanden, wieder abbrechen. Die Lehrer unter—
richteten nun die Schüler in ihren Wohnungen. Später wurden in
einem hause an der Südseite des Cudwigsplatzes (jetzt Stiftskasse)
Unterrichtszimmer eingerichtet, welche bis zum Jahre 1820 benutzt
wurden. Von 1759 bis 1808 wirkte Joh. Nikol. Kiefer am Gym—
nasium und zwar seit 1767 als Rektor. Er war ein ganz hervor—⸗
ragender Schulmann und warf schon damals die Frage auf, ob es
            
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