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Deutschen und Lateinischen verdingt werden sollte. Es währte über—
haupt nicht sehr lange, und die Schule ging völlig ein. Der Super⸗
intendent Keller, geb. 1555, berichtet aus seiner Jugend: „Der
Schulen war man in beiden Städten beraubt, welche nur mit weniger
Anzahl Knaben im Stift St. Arnual gehalten worden“.
fim 23. Oktober 1569 wurde zwischen Saarbrücken und St. Johann
ein Vertrag abgeschlossen über den Neubau eines Schulhauses. Zu—
nächst waren freilich noch mancherlei Streitigkeiten zu überwinden
über das Verhältnis der Leistungen beider Städte. HAuch klagten die
Bürger darüber, daß etliche vom Adel sich weigerten, zu den Kosten
des Schulhausbaues beizutragen. Erst im Jahre 1576 wurde der
Neubau vollendet. Er lag auf dem dreieckigen Platze am Eingange
der Altneugasse. Das alte Schulhaus an der Schloßkirche wurde
erneuert und wahrscheinlich als deutsche Schule weiter benutzt. An
der lateinischen Schule wurde außer dem Schulmeister noch ein helfer
angestellt. Besoldet wurden beide zumteil aus den Mitteln des auf—
gelösten Stifes St. Arnual und zumteil von den kirchlichen Bruder—
schaften. Im Jahre 1600 erhielt der Schulmeister 91 Gulden und
der helfer 80 Gulden. Gegen früher bedeutete dies eine wesentliche
Aufbesserung. In die Lateinschule sollten hinfort nur solche Schüler
aufgenommen werden, die Latein lernen wollten, alle übrigen dagegen
der deutschen Schule zugewiesen werden. Die Aufsicht über die Schule
lag in den händen des Pfarrers von Saarbrücken.
Bei dem Unterrichtsbetrieb an der Lateinschule wurde jedenfalls
der Schulplan Melanchthons zugrunde gelegt. Doch konnte das
hierin gesteckte Lehrziel nicht ganz erreicht werden, weil nur zwei
Lehrer vorhanden waren und deshalb nicht drei Haufen oder Klassen
eingerichtet werden konnten. hiermit wurde es besser, als Graf
Cudwig zur Kegierung kam. Während seine Vorgänger sich wenig
oder gar nicht um das Schulwesen gekümmert hatten, war er ein Freund
der Wissenschaften und daher auch der Schulen. Er war selbst des
Cateinischen und Sranzösischen mächtig und hatte durch Reisen seinen
Gesichtskreis erweitert. Gleich nach seinem Regierungsantritt, Juli
1602, wurde den Städten eröffnet, der Graf habe die Absicht, die
Schule um etliche Klassen und Präceptoren zu verbessern und ver—⸗
mehren. Weil die Städte sich entschuldigten, wegen des „kostbaren“
Schulhausbaues nichts tun zu können, nahm die Regierung die Sache
in die hand und stellte im selben Jahre einen dritten Lehrer an.
Nun war die Durchführung des vollständigen Cehrplans nach Melanch—
thons Vorschrift möglich. In die Schule kam neues Leben. Schon
1603 wurden lateinische Schauspiele biblischen Inhalts aufgeführt, und