Full text : Festschrift für den 29. Rheinischen Provinzial-Lehrertag am 13., 14. und 15. Juni 1905 in Saarbrücken

also im Wesentlichen das trivium der sieben freien Künste des Mittel—
alters. Weil St. Arnual lange Seit die einzige Bildungsstätte des
Saarbrücker Landes blieb, so besuchten auch solche Söhne von Beamten
und wohlhabenden Bürgern die Stiftsschule, die nicht für den geist—
lichen Stand bestimmt waren. Sie wurden jedoch in denselben Fächern
unterrichtet wie die zukünftigen Geistlichen. Schon im Jahre 1180
klagte der Bischof Bertram von Metz über die Saumseligkeit und
Bequemlichkeit der Stiftsherren zu St. Arnual, von denen die meisten
mehr um Milch und Wolle und die Einnahme ihrer Einkünfte als
um das heil der Seelen bekümmert seien, ihren eigenen Geschäften
nachgingen und durch ihre Abwesenheit die Keligion schädigten. Der
scholasticus wird kaum eine Ausnahme von dieser Regel gebildet
haben. Wahrscheinlich hat auch er sich dem Unterricht möglichst ent—
zogen und denselben einem hilfslehrer überlassen. Daß die Unter—
richtsergebnisse dabei nicht sehr hohe sein konnten, versteht sich von
selbst. Es dürfte der Wahrheit ziemlich nahe kommen, was Kektor
Belzer 1759 in einer gereimten deutschen Rede von der Stiftsschule
sagte: „Swar gab man vor denselben ZSeiten im Stift auch ein'gen
Unterricht, doch wollte das nicht viel bedeuten. Der Knabe lernte
kaum recht seinen Namen schreiben, die Sprachen mußte man mit
Kosten auswärts treiben.“
2. Die Lateinschule. Die Kloster- und Stiftsschulen ver—
fielen im 14. Jahrhundert, und die Städte fingen an auf eigene
Kosten Stadtschulen zu errichten. Von dem Bestehen einer derartigen
Schule in Saarbrücken berichtet eine Urkunde aus der zweiten Hälfte
des 15. Jahrhunderts. Damals hat ein Johann Grae übernommen,
„die Schule zu Saarbrücken zu regieren, die Kinder Latein, Deutsch
und Schreiben zu lehren, im Chore helfen zu singen und die Orgel
zu spielen“. Der Unterricht an dieser Stadtschule war also ganz so
eingerichtet wie an den geistlichen Schulen. Auch hier wurde das
Hauptgewicht auf Latein gelegt. Die Kenntnis dieser Sprache war
nämlich auch für das bürgerliche Leben von sehr großer Bedeutung
und unentbehrlich für jeden Beamten. Das Schulhaus lag ganz in
der Nähe der Schloßkirche; es gehörte der Stadt Saarbrüchen. Das
Einkommen des Schulmeisters war sehr unbedeutend. Jede der beiden
Städte bezahlte 2 Gulden. hierzu kam noch ein geringes Schulgeld,
das von jedem Kinde bezahlt werden mußte, und Geschenke. Von
bürgerlichen Casten war der Lehrer frei. Bei dieser armseligen Be—
zahlung hielt es selbstverständlich schwer, geeignete Kräfte für die
Schule zu finden, und sehr oft ward ein Wechsel notwendig. So
wurde 3. B. im Jahre 1521 bekannt gemacht, daß der Unterricht im
            
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