Full text : Festschrift für den 29. Rheinischen Provinzial-Lehrertag am 13., 14. und 15. Juni 1905 in Saarbrücken

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in die Cuft gesprengt, um den Übergang der vordringenden Preußen
und Russen über die Saar zu verhindern. Bei der Sprengung der
Brücke war ein Stein über 20 Meter hoch geflogen und in den
Garten des hofapothekers Koch niedergefallen. Der Besitzer schenkte
diesen Stein 1863 den Saarbrücker Turnern mit der Bestimmung,
daß er dem Unterbau des Jahndenkmals auf der hasenheide in
Berlin eingefügt werden sollte. Der Stein trägt die Aufschrift: „Saar⸗
brücken und St. Johann, den 3. Sebruar 1865* und folgende Verse;
„Zwanzig Jahre trug ich den Gallier über den Saarstrom,
Dann auf stürmischer Flucht aufschleudert er mich in die Wolken.
Nieder kam ich jedoch auf wieder befreites Ufer.
Und da ruht ich seitdem. Und sandten die Turner vom fernen
Sadargau mich hierher, den Vater zu ehren, auch allen
Brüdern Gruß zu bringen und herzliche Mahnung, daß nimmer
Wiederkehre der Tag, wo straflos der Sußtritt der Fremden
Deutsche Erde entweiht' und der Bruder versäumte den Bruder.“
Am 9. August 1870 sah die alte Brücke den denkwürdigen Einzug des
greisen heldenkönigs Wilhelm J., dessen Darstellung von der Meister—
hand Anton von Werners den Saarbrücker Rathaussaal schmückt.
Am 14. Mai 1904 sah die alte Brücke auch den ersten Besuch Kaiser
Wilhelms II. und seiner hohen Gemahlin, die zur Einweihung des
Reiterstandbildes Wilhelms J. erschienen waren. Dies herrliche Denk—
mal schmückt nun die geschichtlich so interessante Brücke, eine Er—
innerung an den vielgeliebten ersten hohenzollernkaiser, an die
ruhmreichen Augusttage von 1870 und ein ernst mahnendes Gedächtnis—
mal der Einiqung Deutschlands.

15. Anser Kaiserpaar in St. Johann-Saarbrücken.
Der 14. Mai 1904 wird in der Erinnerung der Saartalbevölkerung
ein Jubel- und Ehrentag bleiben. Brachte uns doch dieser von herr—
lichstem Wetter begünstigte Frühlingstag den längst ersehnten Besuch
unseres erlauchten herrscherpaares. Die beiden Schwesterstädte Saar—
brücken und St. Johann gewährten in ihrem reichen Festschmuck einen
überaus malerischen, prachtvollen Anblick. In dem äußern Fest—
gewande drückte sich die Freude der Bürgerschaft aus, Angesicht von
Angesicht die Majestäten begrüßen zu dürfen. Bergleute, hütten—
arbeiter, Schulen, Vereine und Soldaten bildeten Spalier. So viel
Menschen hatten wohl die Städte noch nie in ihren Mauern gesehen.
Nachmittags 42/2 Uhr lief der kaiserliche Hofzug in die hiesige
Station ein. Nach der Begrüßung seitens der Behörden fuhren die
Majestäten in ziemlich langsamer Fahrt nach dem St. Johanner Rat—
            
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