Full text : Festschrift für den 29. Rheinischen Provinzial-Lehrertag am 13., 14. und 15. Juni 1905 in Saarbrücken

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Saarkohle nach Frankreich zu ermöglichen. 1800 wurden die Vor—⸗
arbeiten unternommen, denen bald die Wasserbauten folgten. Fünf
Schleusen wurden angelegt; aber die kriegerischen Ereignisse der
folgenden Jahre hemmten den Weiterbau, und erst nach mehr als
50 Jahren kam der Plan zur Uusführung.
Für den Landverkehr wurde besser gesorgt, denn der Bau großer
Heerstraßen lag im Interesse des kriegerischen Kaisers. Von 1808
bis 1811 wurde die große Kaiserstraße gebaut, die von Paris über
Metz, Saarbrücken-St. Johann, homburg nach Mainz führte. Der
zweite große Verkehrsweg durch die Städte war die heerstraße, welche
bon Straßburg über Zabern, Saargemünd, Saarbrücken, Saarlouis
nach Trier führte. Die Truppenbewegungen auf diesen Straßen
brachten den Gewerbetreibenden reichen Derdienst; an den großen
Lieferungen für die französische Armee beteiligten sich auch Saar—
brücker Kaufleute. Die Zugehörigkeit zu dem damaligen mächtigen
Kaiserreich brachte viele Vorteile; die engen kleinstaatlichen Verhält—
nisse waren beseitigt worden, dadurch gestaltete sich das Leben der
Bewohner besser und freier; ein einheitliches Gesetzbuch (code
Napolson), das bis 1900 in unserer Gegend Geltung hatte, wurde
eingeführt. Zwar ging die Verbindung mit Deutschland verloren,
dafür wurde aber der VDerkehr mit Srankreich reger. Die Einwohner—
zahl der Städte stieg, und manche Verbesserungen wurden eingeführt.
Straßenlaternen wurden aufgestellt, die Tore niedergelegt, an die
Stadtbefestigung in St. Johann bauten die Bürger häuser an und
brachen Fenster in die Mauern, die Rückseite der nach Saarbrücken
gelegenen häuser erhielt ein schöneres Hussehen. Die Jahrmärkte
wurden vermehrt. Infolge seiner Lage an zwei großen Staatsstraßen
hatte Saarbrücken gute und regelmäßige Postverbindungen mit Paris,
Mainz, Straßburg und Trier. Ein französischer Verwaltungsbeamter
berichtete 1810 über das langsame aber stetige Emporblühen der
beiden Städte u. a. folgendes: „Unmerklich werden die Schäden des
Krieges durch Anstrengungen einer nüchternen, arbeitsamen, aufge—
klärten und in jeder Beziehung sehr schätzbaren Bevölkerung gut
gemacht.“

11. Wie wir preußisch wurden.
Auch in das Saarbrücker Land war die Kunde von dem Gericht,
das in Kußland über Napoleon hereingebrochen war, gedrungen;
auch hier glaubte man das Morgenrot einer neuen Zeit anbrechen
zu sehen. Mit banger Erwartung verfolgte man die Ereignisse des
            
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