Full text : Festschrift für den 29. Rheinischen Provinzial-Lehrertag am 13., 14. und 15. Juni 1905 in Saarbrücken

stücken in Menge auferlegt. Die Lebensmittelpreise stiegen aufs
höchste, deshalb wurde ein einheitlicher Preis festgesetzt, aber minder—
wertiges Papiergeld, das nie eingelöst wurde, in Sahlung gegeben.
Aus den Kkirchen der Städte wurden alle Glocken, 15 an der
Zahl, weggenommen, ja sogar die Grabgewölbe nach verborgenen
Schätzen durchsucht. Die katholische Kirche in St. Johann und die
alte evangelische Kirche in Malstatt wurden geplündert. Bei den
Gottesdiensten waren Geistliche wie Gemeindeglieder gleicherweise
dem schändlichsten Mutwillen der Soldaten ausgesetzt. Deshalb
wurden die Kirchen mehrere Monate überhaupt geschlossen. Ein—
wohner wurden ohne Grund ins Gefängnis geworfen oder als
Geiseln nach Metz geschleppt. Die Krone setzte Ehrmann seinem
Treiben dadurch auf, daß er zwei Güdinger Bauern auf die bloße
Anzeige hin, daß sie Feinde der Republik seien, auf dem Schloßplatz
hinrichten ließ. Man kann sich denken, mit welchem Gefühle die
Cinwohner der Abreise dieses Mannes entgegensahen. War ihnen
auch kaum mehr als das nackte Leben geblieben, so atmeten doch
alle erleichter auf. An demselben Tage, es war das Weihnachtsfest,
wurde wieder Gottesdienst abgehalten.
Die folgenden Jahre brachten auch noch Lasten, wenn auch nicht
mehr in dem Maße wie das eben geschilderte Schreckensjahr 1793.
Eine verhältnismäßig ruhige Seit trat erst ein, als das ganze linke
Rheinufer und damit auch Saarbrücken im Friedensschlusse von
Campo Sormio an Srankreich fiel. Die französische Verwaltung, die
nun eingeführt wurde, blieb bis zur Vereinigung mit Preußen be—
stehen.

10. Bandel und Verkebr
zu Anfang des 19. Jahrhunderts.
Während der Regierungszeit der letzten Fürsten von Nassau—
Saarbrücken waren die beiden Städte Saarbrücken und St. Johann der
Sitz eines bedeutenden Großhandels. Von hier aus wurden Elsaß,
CLothringen, der hunsrück und ein großer Teil der Pfalz mit Waren
aller Art versehen. Aber infolge der Revolutions- und Kriegsunruhen,
dann durch die Kontinentalsperre hatte der handel schwer gelitten.
Die großen Warenlager verschwanden mit der Zeit, und der handel
nahm einen andern Weg. Mit dem handel lag auch zugleich die
Schiffahrt danieder. Diesen Übelständen konnte auf einmal abgeholfen
werden, wenn die Saar kanalisiert wurde. Napoleon J. hat diesen
Plan ernstlich in Erwägung gezogen, um besonders die Einfuhr der

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