Full text : Festschrift für den 29. Rheinischen Provinzial-Lehrertag am 13., 14. und 15. Juni 1905 in Saarbrücken

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wie man gegenwärtig das Huge des Candschaftsmalers zu hilfe
nimmt. Die ganze Einrichtung des Schlosses, das Kostbare und An—
genehme, das Reiche und Sierliche deuten auf einen lebenslustigen
Besitzer.“ Goethe verweilte einige Tage in dem hause seines Frank⸗
furter Bekannten. Dann besuchte er die Sensenschmiede und den
Drahtzug bei Saarbrücken, die Steinkohlengrube und den brennenden
Berg bei Dudweiler, die Friedrichsthaler Glashütte und das Eisen—
hüttenwerß in Neunkirchen, wo „die funkenwerfenden Essen ihr
lustiges Feuerwerk ihm entgegenspielten“. Dieser Aufenthalt in dem
schon damals industriereichen Saarbrücker CLande hat Goethes weitere
Entwicklung bedeutend beeinflußt. Der Dichter wurde hier, wie er
selbst bekennt, lebhaft angeregt, so daß ihn fortan „ökonomische und
technische Betrachtungen“ oft beschäftigten.

9. Das Schreckensjahr 1793.

„Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit!“ das war der Ruf der
Volksbeglücker jenseits der Grenze. „Krieg den Schlössern, aber
Frieden den hütten!“ war die Losung; das erstere wurde zwar buch—
stäblich erfüllt, aber der versprochene Frieden blieb aus. Auch die
Grafschaft Saarbrücken sollte dieser Segnungen teilhaftig werden.
Schon bald nach der Besitzergreifung Saarbrückens wurde das Schloß,
das so reich an Möbeln und Kostbarkeiten war, ausgeplündert und
alles Eigentum des Fürsten weggeschleppt. In dem schönen Schloß—
garten schlug ein Regiment Soldaten sein Lager auf, und alle Anlagen
fielen ihrer Zerstörungswut zum Opfer. In der Nacht vom 7. zum
8. Oktober endlich ging das Schloß in Flammen auf; untätig mußten
die Bürger zusehen, nicht einmal zum Löschen und Retten wurden sie
zugelassen. Mit Tränen in den Augen mußte auch Erbprinz Heinrich,
der bei einem preußischen Regiment drüben auf dem halberg stand,
sehen, wie der Stammsitz seiner Päter ein Raub der Flammen wurde.
Uurz vorher war das Schlößchen Ludwigsberg mit all seinen Neben—
gebäuden und Anlagen den Bringern der Rultur zum Opfer gefallen.
Selbst Leben und Eigentum der Bürger blieben nicht verschont. Von
den Männern, die im Namen der Kepublik hier ihr Wesen trieben,
ist besonders der Volksrepräsentant Ehrmann zu nennen, der von
dem schlimmsten Tyrannen an Grausamkeit nicht übertroffen werden
kann. Es ist unmöglich alle Greueltaten aufzuführen, nur einige
Beispiele mögen die Art, wie dieser „EChrenmann“ seine Macht kund⸗
gab, kennzeichnen. Einmal mußten die Bürger innerhalb 24 Stunden
eine Million Livres in barem Gelde herbeischaffen. Alle Waffen
wurden abverlangt, Lieferungen an Lebensmitteln und Kleidungs⸗
            
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