Full text : Festschrift für den 29. Rheinischen Provinzial-Lehrertag am 13., 14. und 15. Juni 1905 in Saarbrücken

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Die industriellen Anlagen unterstützte er nicht in dem Maße wie
Wilhelm heinrich, indem er alle Werke, die sich nicht gut rentierten,
aufgab. Auch einige Kohlengruben wurden stillgelegt, in den andern
dagegen die Förderung ziemlich gehoben. In einer Verordnung des
Fürsten zur Einrichtung der sogenannten „Bruderbüchsen“, in die
jeder Bergmann Beiträge leisten mußte, und die den 3weck hatte,
Urankenunterstützungen zu gewähren, haben wir den Anfang des heute
noch segensreich wirkenden Saarbrücker Knappschaftsvereins zu sehen.
Die Bestrebungen des Fürsten, die wirtschaftliche Lage des Landes
zu verbessern, eine bessere Ackerwirtschaft einzuführen, die Viehzucht
zu heben, manche Härten in der Justiz zu beseitigen u. a.m. wurden
durch zahlreiche Verordnungen kund gegeben. Doch trat in allen
Regierungshandlungen der persönliche Einfluß und die eigene Mit—
arbeit des Fürsten immer mehr zurück, denn seine Liebhabereien
nahmen ihn fast ganz in Anspruch. Schauspiel, Soldatenspiel und
Jagd füllten seine Zeit aus. Besonders die oft stattfindenden Jagden
wurden unter großer Beteiligung und mit einer ungeheuern Pracht⸗
entfaltung ins Werk gesetzt. Zu den verschiedenen Jagdschlössern.
die der Fürst bereits besaß, ließ er 1700 ein neues auf dem CLudwigsberg
 errichten, das aufs großartigste ausgestattet wurde und ihm in
den Sommermonaten zum Aufenthaltsort diente.
Er vermählte sich mit einem Mädchen aus dem Volke, „dem
Hänsegretel von Fechingen“, gab dieser seiner neuen Gemahlin den
Namen Gräfin Katharina von Ottweiler und erhob sie später sogar
zur Fürstin von Saarbrücken.
Die Revolution, die im Jahre 1789 in Frankreich ausbrach,
blieb auch nicht ohne Cinwirkung auf die Grafschaft Saarbrücken.
Infolge der harten Bedrückungen und großen Lasten waren die Be—
wohner in Stadt und Land sehr unzufrieden. Auf die zahlreichen
Gesuche gewährte der Fürst in wenigen Stücken kleine Erleichterungen.
Dadurch konnte er aber nicht verhindern, daß ein Teil seines Landes,
die Grafschaft Saarwerden, von ihm abfiel und sich mit Frankreich
vereinigen ließ. Mit dem Einmarsch der französischen Truppen im
Jahre 1792 hatte die Herrschaft Ludwigs ein Ende erreicht. Obwohl
er sich als französischer Offizier durchaus neutral verhielt, so war
er doch den Männern, die jetzt die Macht in händen hatten (das
haupt König CLudwigs XVI. war bereits unter dem Henkersbeil ge⸗
fallen), so verdächtig, daß seine Verhaftung beschlossen wurde. Er
konnte jedoch von Neunkirchen aus, wo er sich gerade aufhielt, noch
rechtzeitig flüchten und starb, ohne sein Land wiedergesehen zu haben,
im folgenden Jahre.
            
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