manche Glashütte an den unternehmenden Fürsten. Wilhelm heinrich
ließ in seinem Lande die erste Zeitung herausgeben, das „Allgemeine
Wochenblatt“, das später in die „Saarbrücker Zeitung“, die gegen—
wärtig in ihrem 145. Jahrgang erscheint, umgewandelt wurde.
Wenn man nun denkt, das Leben der Bewohner müßte in dieser
Zeit des allgemeinen Hufschwungs ein angenehmes gewesen sein, so
irrt man. Denn man darf nicht vergessen, daß hier, wie in andern
cändern der Wille des herrschers das oberste Gesetz war. Die Srei—
heit der Bewohner war arg beschnitten; etwa 400 Verordnungen
jener Zeit legten dem Leben auf Schritt und Tritt die beengendsten
Fesseln an. Von den vielen Bestimmungen seien nur einzelne an—
geführt: Niemand durfte sich ohne tristigen Grund im Winter nach 9,
im Sommer nach 10 Uhr abends auf der Straße zeigen; das Tabak—
rauchen war auf der Straße verboten; man durfte seinen hund nicht
frei umherlaufen und die Tauben nicht aufs Feld fliegen lassen; bei
den fürstlichen Jagden mußten die Untertanen Treiberdienste ver—
richten und mit Klappern das Wild zutreiben; Diebstähle und andere
Vergehen wurden sehr strenge, oft unmenschlich hart bestraft.
Im Gegensatz zu seinen Untertanen lebte der Fürst selbst herrlich
und in Freuden. Der Einfluß des französischen Hofes machte sich
auch bei ihm geltend, und der diesem nachgeahmte hofhalt verschlang
trotz allen industriellen Aufschwungs solche Summen, daß der FSürst
sich oft in arger Geldverlegenheit befand. Dazu trug noch seine
Soldatenliebhaberei bei, die ebenfalls große Summen kostete. Ja
bei seinem Tode im Jahre 1768 war die Schuldenlast so groß, daß
sie erst durch eine zehnjährige sparsame Verwaltung getilgt werden
konnte.
Aber alles in allem bezeichnet die Kegierung Wilhelm Heinrichs
einen Glanzpunkt in der Entwicklung des Saarbrücker CLandes, dem
nur zu bald schon nach wenigen Jahrzehnten ein empfindlicher Rück—
stoß folgen sollte.
7. Fürst udwig von Saarbrücken.
(1768 - 1793.)
Wilhelm Heinrichs Sohn Ludwig war der letzte regierende Fürst
von Saarbrücken. Gleich seinem Vater pflegte auch er die Freund—⸗
schaft mit dem französischen König, die ihm noch manchen Vorteil
bringen sollte, weiter und war auch wie jener französischer Offizier.
In der Verwaltung des Candes beschritt er im allgemeinen die
Bahnen seines Vaters, nur daß er sich, um die Schulden zu tilgen,
anfänglich der größten Sparsamkeit befleißigen mußte.
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