Full text : Festschrift für den 29. Rheinischen Provinzial-Lehrertag am 13., 14. und 15. Juni 1905 in Saarbrücken

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meindebänne wurden vermessen und das Ergebnis in einem genauen
Uataster niedergelegt. Noch jetzt findet man in unserer Gegend
Bannsteine aus jener Seit, die meist die Jahreszahl 1763 tragen.
Außer den Getreidearten wurden Kartoffeln, die einige Jahre zuvor
eingeführt waren, bereits allgemein angepflanzt. Zur hebung des
Verkehrs wurden die vorhandenen Straßen ausgebessert und neue
dazu angelegt. Durch Vertrag mit dem Fürsten von Thurn und
Taxis wurde ein regelmäßiger Postverkehr eingerichtet und dadurch
Ssaarbrücken an die schon bestehenden Poststraßen angeschlossen. Auf
dem Gebiet des Handels und der Industrie ist in erster Linie die
Bemühung des Fürsten, die im eigenen Lande ruhenden Bodenschätze
zu heben, zu nennen. Schon vor seiner Zeit wurden von Privat—
leuten gegen eine jährliche Pachtsumme Steinkohlen gegraben. Aber
erst als man durch die Verhältnisse gezwungen wurde, die Kohlen in
ausgedehnterem Maße als bisher zu verwenden, hob sich der Bergbau.
Die in der Gegend bestehenden Eisenwerke brauchten nämlich zur
Gewinnung des Eisens große Mengen holz, und Holz bildete auch
seit einiger Zeit einen hauptausfuhrartikel, der namentlich nach
holland ging. So sahen sich die Bewohner genötigt, statt des immer
mehr im Preise steigenden Holzes Steinkohlen als Hausbrand zu ver—⸗
wenden. Fürst Wilhelm heinrich übernahm die gesamte Kohlen—
gewinnung auf herrschaftliche Rechnung, und jeder private Betrieb
wurde mit Strafen bedroht. Während seiner Regierung stieg die
Förderungsmenge auf das Fünffache des früheren Ertrages, wovon
ungefähr die Hälfte ausgeführt wurde. Er bildete einen selbständigen
Bergmannsstand, der mit besonderen Rechten ausgestattet wurde.
Den Bewohnern seines Landes wurden jährlich bestimmte Mengen
Uohlen zum FSörderpreise geliefert, das ist der Ursprung der jetzt
noch bestehenden Berechtigungskohlen. Auch in den industriellen
Werken ließ der Fürst, so weit es anging, Steinkohlenbrand ein—
führen. Nur bei der Eisengewinnung war es nicht möglich; hier
wurde immer noch Holz benutzt. Aber schon damals kamen findige
Uöpfe anf den Gedanken, statt des holzes ausgelaugte Steinkohlen
zu benutzen. Wenn auch die Versuche nicht ganz gelangen, so haben
wir hier doch den Anfang der etwa 80 Jahre später eingeführten
Koksbenutzung zu suchen. Auch neue Fabrikanlagen kamen durch
Wilhelm Heinrich zustande, so im Fischbachtale eine nur im Namen
erhaltene „Rußhütte“, jetzt zu Malstattt-Burbach gehörig, und der
„Blechhammer“ im Sulzbachtale, dessen namen noch heute im Volks⸗
munde statt der neueren Ortsbezeichnung „Jägersfreude“ gebraucht
wird. Ferner exinnern der „Drahtzug“ und das „Sensenwerk“, sowie
            
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