Full text : Festschrift für den 29. Rheinischen Provinzial-Lehrertag am 13., 14. und 15. Juni 1905 in Saarbrücken

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es bisher für ausgeschlossen gehalten hatte. Die Konfessionsschule
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werden und nach Ansicht ihrer Verteidiger langsam aussterben. Ge—
wissermaßen als Anhängsel zeigt das Kompromiß der Lehrerschaft
in weiter und dunkler Ferne eine gehaltliche Aufbesserung, daß die
Lehrerschaft hinsichtlich dieses Punktes mißtrauisch war, hat sich durch
die letzten Candtagsverhandlungen als vollauf berechtigt erwiesen.
Umso auffallender muß es nunmehr erscheinen, daß man von gewissen,
einflußreichen und auch bis dahin dem Lehrer freundlich gesinnten
Seiten aus bei ihm Propaganda in planmäßiger Weise für das
Kompromiß betrieben und versucht hat, Uneinigkeit in unseren
Keihen zu erzeugen. Erfreulicherweise ist dieser Versuch kläglich
gescheitert. Der Lehrer im preußischen Lehrerverein hat sich von
seiner Überzeugung durch keinerlei Versprechungen abbringen lassen.
heute wird wohl jeder von uns einsehen, daß die Führer in der
Agitation gegen das Kompromiß richtig vorausgesehen haben. Wohl⸗
tuend wirkte es, wie auf der ganzen Linie eine emsige Tätigkeit sich
entfaltete. Die preußische Lehrerschaft will eine freie Entwickelung
der Schule, sie will in ihrer überwiegenden Mehrheit eine Einheits—
schule, entsprechend der Einheit des deutschen Volkes. Sie will, daß
die Volsschule dieselbe Behandlung erfahre, wie die höheren Schulen.
Traurig ist es nur, daß Männer, die ihrer Überzeugung Ausdruck
zu geben sich im Gewissen verpflichtet fühlen, verdächtigt, verleumdet,
ja sogar denunziert werden. Daß ernste Männer in ernsten Fragen
keine freie Meinungsäußerung mehr haben sollen, ist tief betrübend.
Wo sollen da noch Männer, Charaktere erwachsen? Wie sollen
Charaktere erzogen werden, wenn sie bei Männern unterdrückt wer—⸗
den? Wird sich unter solchen Umständen nicht die heuchelei breit—
spurig Geltung verschaffen? Und welch' eine Verdächtigung tritt
hierbei zutage! „Man will die Keligion aus der Schule verdrängen“,
heißt es. Entweder Unwissenheit oder wissentliche Unwahrheit kann
dieses behaupten. Der KReligionsunterricht ist und bleibt dem deutschen
Lehrer der erste und wichtigste Unterrichtsgegenstand, und dieser
UÜberzeugung entsprechend wird er ihn stets behandelt wissen wollen.
EAls ein weiteres außerordentlich wichtiges schulpolitisches Er⸗
eignis darf die deutsche Lehrerversammlung in der alten Krönungs-—
stadt Königsberg angesehen werden. Bedeutungsvoll für den deutschen
Lehrerverein war sie schon insofern, als wir hier unsern lange ge—
hegten Wunsch erfüllt sahen: „Das ganze Deutschland soll es sein!“
Die Bayern, die treuen süddeutschen Brüder, waren zum erstenmale
in unserer Mitte. Und wie begeistert waren sie für unsere Ideale!
            
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