Full text : Festschrift für den 29. Rheinischen Provinzial-Lehrertag am 13., 14. und 15. Juni 1905 in Saarbrücken

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Ausbildungszeit schwankten beständig unter dem Einflusse der wirt—
schaftlichen Entwickelung des heimischen Bergbaues.
Die Errichtung des Deutschen Reiches hat die wirtschaftliche Ent—
wickelung unseres Vaterlandes günstig beeinflußt. In diesem Zeit—
alter der Technik wendete man auch dem technischen Schulwesen
größere Aufmerksamkeit zu. So wurde 1873 das Bergschulwesen
neu geordnet. In Couisenthal, Dudweiler und Neunkirchen wurden
Steigerschulen eingerichtet, welche in zweijährigem Kursus ihre Schüler
zu Steigern ausbildeten. Den Befähigten stand der Zutritt zur
hauptbergschule in Saarbrücken offen, um sich dort in einjährigem
Kursus zu Obersteigern, Werkmeistern oder Markscheidern auszubilden.
1898/99 erfuhr das Bergschulwesen wieder eine einschneidende
Anderung. Die Steigerschulen wurden in Vorschulen mit einjährigem
Kursus umgewandelt. Der Besuch der hauptbergschule ist seitdem
obligatorisch für alle Schüler der Vorschule. Demnach nimmt die Schul⸗
zeit für alle 3 Jahre in Anspruch. Der erfolgreiche Besuch berechtigt
zur Anstellung als Gruben- oder Maschinensteiger und eröffnet auch
den Zugang zu der Stelle eines Obersteigers oder eines Maschinen—
werkmeisters. Dagegen fielen die Markscheiderkurse fort, da sich diese
Beamten jetzt auf einer höheren Schule vorbilden und darnach einige
Semester an einer technischen Hochschule studieren müssen.
Die 3 Vorschulen sind in Louisenthal, Neunkirchen und Sulzbach
eingerichtet. An der Spitze der Vorschule steht ein Hauptlehrer, dem
Sachleute als hilfslehrer zur Seite stehen. Der Unterricht wird an
drei Wochentagen in Mathematik, Physik, Deutsch, Bergbaukunde,
Maschinenkunde, Zeichnen und in der ersten hilfeleistung bei Unglücks—
fällen erteilt. An den schulfreien Tagen arbeiten die Schüler in den
Gruben, um den Bergbau gründlich von der praktischen Seite kennen
zu lernen. Die Abgangsprüfung entscheidet über die Aufnahme in
die Bergschule in Saarbrücken.
Das Lehrerkollegium der Bergschule wird gebildet von dem Berg—
schuldirektor, 3 ordentlichen Bergschullehrern für Mathematik, Berg⸗
baukunde und Maschinenkunde und einer Reihe von hilfslehrern für
den Unterricht in Bergrecht, Physik, Markscheiden, Grubenrechnungs⸗
wesen, Zeichnen, Elektrotechnik und Deutsch. Die Schule hat zwei
parallele Unter- und zwei parallele Oberklassen. Die Unterklassen
haben abwechselnd wochenweise Unterricht. In der schulfreien Woche
werden sie planmäßig bei den verschiedensten Arbeiten des Gruben—
betriebes beschäftigt. Die Oberklasse wird tagtäglich in 5— 6 Stunden
unterrichtet. Zur weiteren Ausbildung unternimmt die Schule zahl—
reiche wissenschaftliche Ausflüge auf Gruben und Fabrikanlagen.
            
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