Full text : Festschrift für den 29. Rheinischen Provinzial-Lehrertag am 13., 14. und 15. Juni 1905 in Saarbrücken

1908

Es legte die Welt beizeiten
Den Sonnenschatz zur Seit',
Die Kosten zu bestreiten
Einer ärmeren ZSeit.
Seidel.

Il. Der Bergwerkseigentümer.“)
Bergwerke werden meistens von einzelnen Personen oder von
Gesellschaften, Gewerkschaften genannt, betrieben. hier an der Saar
aber liegt der Steinkohlenbergbau fast vollständig in den händen
des Staates. Wie das gekommen ist, lehrt uns ein Blick in die
Vergangenheit.

a) Der Kaiser ist der Bergherr.
Unsere engere heimat bildete zu Karls des Großen Zeiten den
Saargau. Diesen regierte in des Kaisers Namen ein Gaugraf. Der
Kaiser war alleiniger CLandesherr, der Gaugraf und die sonstigen
Großen waren seine Beamten. Wie der Kaiser eroberte Gebiete und
Güter als Lehen gab, so erteilte er auch das Recht, unterirdische
Schätze zu gewinnen, an wen er wollte.
Als die Macht der Kaiser sank, entstanden mehr oder weniger
selbständige CLandesgebiete. Aus den Gaugrafen des Saargaues
wurden regierende Grafen von Sarabruck, denen auch die Herrschaft
Ottweiler gehörte. In der Umgebung der Grafschaft Saarbrücken
lag eine ganze Reihe kleiner und mittlerer Staaten, 3. B. die herr—
schaften Blieskastel, Illingen, CLabach, Schwarzenholz und Saarwel⸗
lingen; die Abteien St. Awold, Wadgassen und Tholey; die herzog⸗
tümer Lothringen und Pfalz-Zweibrücken und das Kurfürstentum
Trier.

py Der Landesfürst wird Bergherr.
Im Laufe des Mittelalters vorlor der Kaiser ein Kecht nach
dem andern an diese weltlichen und geistlichen Landesfürsten. So
war auch das Recht an die mineralischen Sunde allmählich auf die
Candesfürsten übergegangen. Insbesondere übertrug Kaiser Karl IV.
im Jahre 1356 alle kaiserlichen Regalien an die Kurfürsten durch
das wichtige Gesetz der „goldenen Bulle“. Aber auch schon andere
Fürsten des deutschen Reiches hatten das Bergrecht erlangt. Denn
derselbe Kaiser bestätige 1371 dem Fürsten Johann von Nassau⸗
Weilburg die durch heirat an ihn gekommene Grafschaft Saarbrücken
*) Nach Haßlacher, Geh. Bergrat in Bonn: „Geschichtliche Entwickelung
des Steinkohlenbergbaues im Saargebiete,“ des Sammelwerks „der Stein⸗
kohlenbergbau in der Umgebung von Saarbrücken“ II. Teil. 1904.
            
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