Full text : Festschrift für den 29. Rheinischen Provinzial-Lehrertag am 13., 14. und 15. Juni 1905 in Saarbrücken

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Formen und gab durch Verwesung nach der Überdeckung mit neuen
Ablagerungen Anlaß zur Bildung jener zahlreichen und mächtigen
Kohlenflöze, welche den hohen wirtschaftlichen Wert des Steinkohlen⸗
gebirges ausmachen.
Die Mächtigkeit des Saarbrücker Steinkohlengebirges schätzt man
auf 4500 Meter. Seine Schichten verlaufen im allgemeinen wie die
senke von 8W. nach NO. Während sie bei ihrer Bildung wagerecht
lagen, senken sie sich heute nach Nordwesten unter einem Winkel von
350— 120 ein. Das CEinfallen nimmt also nach der Teufe allmählich ab.
Daraus schließt man folgendes: Die Ablagerung der unteren Schichten
geschah in ruhiger, gleichmäßiger Weise. Aber zur ZSeit der oberen
Ablagerungen scheinen schon fortgesetzt Senkungen und Störungen vor—
gekommen zu sein. Schließlich traten noch gewaltsame Störungen
ein, welche das Gebirge zerrissen, Teile desselben in die Höhe, andere
in die Tiefe führten. So entstanden Verwerfungen, Sprünge, Sättel
und Mulden. Dadurch wird zwar der Bergbau wesentlich erschwert,
aber der Wissenschaft werden interessante Aufgaben gestellt. Sie findet
hier ein Stück des lebendigen Buches der Erdgeschichte und lehrt uns
darin lesen.

d) Die Kohlenflöze.
Zwischen den Schichten des Steinkohlengebirges sind die Stein—
kohlenflöze eingelagert. Die Flöze wiederholen sich übereinander in
verschiedener Mächtigkeit. Nach der Beschaffenheit der Steinkohle
unterscheidet man von oben nach unten vier Flözpartien, nämlich:
1. Die Partie der Magerkohle,
2. die Partie der oberen Flammkohle,
3. die Partie der unteren Flammkohle,
4. die Partie der Fettkohle.
Auf den preußischen Gruben allein werden gegenwärtig 40 Flöze
mit einer gesamten Kohlenmächtigkeit von 50-60 Meter abgebaut.
Durch fortgesetzte Tiefbohrungen wurden bisher immer neue Kohlen—
gebiete aufgeschlossen. Der Kohlenreichtum des Saarbrücker Gebietes
ist demnach sehr groß. Man schätzt ihn bis zu einer Tiefe von 1000
Meter auf 4000 Mill. Tonnen, so daß unser Kohlenschatz auf mindestens
300 Jahre reichen dürfte.
So sind die Steinkohlen die hinterlassenschaft gewaltiger Um—
gestaltungen der Erdoberfläche. Wir sind die glücklichen Erben,
obgleich eine ungeheuer lange Zeit seit der Entstehung der Steinkohlen
verging, ehe der Mensch auf die Erde kam, um die beglückende
Erbschaft anzutreten, und ehe er sie wirklich antrat.
            
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