Full text : Festschrift für den 29. Rheinischen Provinzial-Lehrertag am 13., 14. und 15. Juni 1905 in Saarbrücken

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sondere den Nutzen der Schule behandelnde Predigt gehalten werden.
Ja sogar mit der Einführung von Fortbildungsschulen wurde damals
schon ein Versuch gemacht. 1762 beklagte der Fürst in einer Ver—
ordnung den Mangel an Hertigkeit im Schreiben, der es den Unter—
tanen unmöglich mache, eine Quittung oder einen Arbeitszettel zu
schreiben, geschweige denn ein haushaltungsbuch zu führen. Die
Cehrer wurden deshalb angewiesen, für die Knechte, handwerks—
burschen und andere junge Leute, die der Schule entwachsen waren,
Sonntagsschulen einzurichten. Elle Untertanen, die sich verheirateten
oder in eine Zunft eintraten, sollten zuvor eine Probe ihrer hand—
schrift ablegen und nicht eher Zulassung erhalten, bis sie leserlich
schreiben gelernt oder 3 Gulden Dispensationsgelder in die Hospital—
kasse erlegt hätten.
Fürst Cudwig (1768- 1793) erließ im Jahre 1783 eine neue
Schulordnung, in welcher er den Schulbesuch vom 7. bis zum 14.
Cebensjahre festsetzte und Strafen für unentschuldigte Versäumnisse
androhte. Eingeschärft wurde ferner eine strenge Schulzucht, deut—
liche Aussprache, orthographisches Schreiben und das sichere Erlernen
der vier Spezies. Den Geistlichen wurde regelmäßige Schulaufsicht
empfohlen und zum Schluß noch ein Lehrplan beigefügt.
Seit 1746 bestand in Saarbrücken eine refsormierte Gemeinde,
und für diese wurde auch eine besondere Schule eingerichtet. Fürst
Wilhelm heinrich ließ im Jahre 1766 am Ludwigsplatze ein Pfarr—
und Schulhaus für die Gemeinde bauen. Jetzt enthält das Gebäude
Dienstwohnungen für das Gymnasium. Die reformierte Schule war
einklassig und wurde auch von den nächsten Dörfern aus besucht.
1798 hatte sie 32 Schüler. Bei der Vereinigung der beiden evang.
Bekenntnisse, im Jahre 1817, ging die Schule ein.
In St. Johann bestand vor 1730 keine besondere Schule, die
Uinder von da mußten also die Schulen in Saarbrücken besuchen.
Erst in diesem Jahre wurde in der Nähe der alten evang. Kirche
ein Schul- und Pfarrhaus von der Stadt angekauft. Als daneben
1740 das jetzige Pfarrhaus erbaut wurde, überließ man das erstere
ganz der Schule. 1759 waren zwei getrennte Schulklassen vorhanden
mit 77 Knaben und 79 Mädchen. Seit 1746 wird in St. Johann
eine kath. Schule erwähnt, die 1790 von 40 Kindern besucht wurde.
Unter der französischen Herrschaft ging das Schulwesen zurück.
Die Sahl der Klassen verminderte sich in beiden Städten, da man
die erledigten Stellen nicht wieder besetzte. Auch wurden die Lehrer
in ihrem Einkommen sehr geschädigt durch Einziehung der Besol—⸗
dungsgüter. Nachdem die Städte auf ihren Wunsch und Antrag
            
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