Full text : Die Merziger Mundart

denhet‘ gelt‘ der hat Geld; min hunst‘ gel‘ wir haben das
Geld; miss hugelt‘ wir haben Geld.
In unserer Ma. fällt £ nicht aus, dagegen wird n (vgl.
die Beispiele) apokopiert.
$ 26. Accentuierung. Für unsere Ma. hat das
Winteler’sche Silbenaccentgesetz (Sievers a. a. 0. 224) volle
Geltung. Umgekehrt haben wir also immer scharf geschnittenen
 Accent auf kurzen, einfachen Vokal, wenn überhaupt
 eme Fortis darauf folgt. Die Ma. geht also darin noch
über Wintelers Gesetz hinaus, dass auf die Fortis kein demselben
 Wort angehöriger Consonant mehr folgen muss. Die
Erscheinung muss jedoch jüngeren Datums sein, da sich die
Diphthongierungserscheinungen nur beischwach geschnittenem
Accent erklären lassen.
Beispiele: #löp Schleife, klipan Klopfen, knöp Knopf,
köfar Koffer, köfar Kupfer, 6p auf, wic weg, gänts no, günts
niu ganz Neu.
Für lange Vokale und Diphthonge, deren erster Bestandteil
 lang ist, gilt der schwach geschnittene Accent:
löwon Leben, was Wasser, we Weg, nd nach, wintn
warten, g3on, gehen.
Diejenigen Diphthonge dagegen, deren erster Bestand-Tr
 teil kurz Ist, haben den_sog. gestossenen Accent_(Sievers
Howe Ce, S 221). Es erfolgt dabei ein momentaner Stimmritzenhp
 verschluss. Also:
; woon Wagen, hovnt Hund, geon geben, nons Nase sind
zu sprechen: won, hownt, geDn, nIDS.
$ 27. Betonung. Die Betonung der Stammsilbe ist
von jeher stark gewesen. Dies zeigt der ganze historische
Entwickelungsverlauf: die satzunbetonten Wörter und die
nebentonigen Silben haben ihren vollen Vokal verloren oder
einen irrationalen s-Laut entwickelt. Nur so konnte das
tonlose, ungedeckte e ganz und ganze Nebensilben oft ganz
verloren gehen.
Anm. Schon von Meier ist aus Jolande! XIX Apokope der
Endung -en des Particips belegt, „immer vor Liquida und

Sa

4 ohn Meier, Bruder Hermanns Leben der Gräfin Jolande von
Vianden. Germ. Abhdlg. Weinhold. Bd. 7.
            
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