Full text: Die Merziger Mundart

$ 8. Durch die Beobachtungen der Lautverschiebung 
hatte schon Braune! festgestellt, dass das Mfrk. (mittelfränk.) 
vom 18. Jh. bis auf die neueste Zeit eine m ihren Grund- 
zügen unveränderte Ma. ist, die vom hd. Lautstande nur 
die_verschobenen. ‚Tenues, und auch diese nur mit be- 
stimmten Ausnahmen besitzt. Dasselbe zeigt sich im Wort- 
Schatz. Die Ma. besitzt eine Reihe Wörter, die dem oberd. 
völlig fremd und nur im md. oder nd. verbreitet sind. Im 
Teil IV wird sich noch deutlich zeigen, dass die Ma, dem 
ripuarischen, besonders im Vokalismus nahe steht, und schon 
Heinzel? hat die Verwandtschaft der 'Trierischen und 
Cölnischen Maa. festgestellt. Die letztere wieder steht schon 
dem nd, sehr nahe, und so trägt auch die MMa. einen dem 
nd. verwandten Charakter. 
Durch frühere Berührung mit Holland (vgl. auch die 
Amtsbeschreibung von 1789 S. 4) erklären sich einige in 
die Ma. hineingekommene ndl.. Wörter, 
1) bohai (Holl. Wb.3 S. 134: boha, boeha m.; boha maken 
Lärm machen) grosses Geschrei, grosser Lärm. 
2) bei (ndl. bij; es kann jedoch auch Entwickelung der 
Nbff: ahd. bia, mhd. bie vorliegen) Biene, 
3) flitsoboon (zu ndl. flits Wurfspiess, Pfeil; vgl. Leit- 
häuser a. o. a. O0. I, 17) Bogen. 
4) kansin (vgl. Kluge Et. Wb.* ndl. konijn, mndl. conijn; 
die Bezeichnung Stallhase ist ganz unbekannt) dem. 
kaneincgan Kaninchen. 
5) kneip (ndl. knijp) gemeine Kneipe. 
6) lawöoo (ndl. lavoor < frz. lavoir) Waschschüssel. 
7) trap f. (ndl. trap m. vgl. Kluge Et. Wb. und Holl. Wb. 
S. 1103; dem. trapje) dem, trapgen Treppe. 
8) trom (ndl. trom: Holl. Wb. S. 1107) Trommel. 
'W. Braune, Zur Kenntnis des Fränkischen und zur hochd. 
Lautverschiebung. Beitr. I, 32, 
? R. Heinzel, Geschichte der niederfränk. Geschäftssprache 
Paderborn 1874. 58. 338, 
3 Tross-Overmann, Holl.-Dtsches Wb. Emmerich 1850. 
* Fr. Kluge, Etymol., Wb. d. dtsch. Spr. 6. Aufl, Strassburg 1899.
	        
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