des Vorstandes, diejenigen, welche gegen denselben waren, sich
rechts stellen sollten.“ 44 Mitglieder stimmten für, 43 gegen den
Antrag; die Minorität setzte sich zusammen aus denen, welche überhaupt
so grosse Kosten nicht aufwenden wollten, und aus denen,
welche den Neubau im Garten wünschten. — Es war bestimmt, dass
der Neubau mit dem Grunderwerb die Summe von 40000 Rthlr. nicht
überschreiten sollte, soo Thaler wurden dem Vorstande zur Verfügung
gestellt zur Beschaffung mehrerer Pläne und Kostenanschläge,
er soll eine Baukommission von 5 Mitgliedern einsetzen.
Dies war ein Beschluss von grosser Bedeutung für die Gesellschaft.
Oft ist nachher gesagt, der Neubau im Kasinogarten wäre
viel zweckmässiger gewesen; die neue Brücke befand sich gerade im
Bau, das Kasino hätte dann im Mittelpunkte der beiden Städte gelegen
und nicht zu weit vom Bahnhofe. Aber gegen den Kasinogarten
sprach die gewaltige Scheu vor seiner ungesunden Lage; auch der
finanzielle Punkt fiel ins Gewicht: einestheils hätte man zur Abrundung
und zum besseren Anschluss an die neue Strasse (die jetzige Eisenbahnstrasse)
noch Terrain hinzukaufen müssen; ferner gedachte man
durch den Verkauf des Gartens 15000 Rthlr. zu gewinnen, denn es
war Hoffnung vorhanden, dass man, wie es auch 1867 wirklich eintraf,
20000 Rthlr. für denselben bekommen würde, der Schlachter’sche
Garten aber kostete nur 5000 Rthir. Liess sich die Zukunft der neuen
Strasse im voraus bestimmen? Damals lag das ganze Terrain ringsum
wüst durch einander; die Strasse war kaum freigelegt und lange
sollte es noch dauern, bis sie einen einigermassen erträglichen Anblick
darbot. Dass die beiden Städte nach 1870 einen so gewaltigen
Aufschwung gewonnen, konnte Niemand voraussehen, Unter den
jungen Leuten, die damals am meisten das Kasino besuchten, war
nur eine Stimmung: allgemeiner Jubel über den Beschluss der Majorität.
Alle Welt nahm an, dass die Alleestrasse binnen kurzem mit prächtigen
Villen geschmückt sein würde; das Kasino lag dann im schönsten
Stadttheil.
In die Baukommission wurden berufen: Bergmeister Bluhme,
Bauinspektor Dresel, Direktor Flamm, Gasdirektor Albrecht
Bonnet, Baumeister Wettendorf; sie erliess Preisausschreiben,
setzte einen ersten Preis von 300 Rthlr., einen zweiten von 100 Rthlr.
aus; die Baupläne sollten bis zum 3ı. August eingeliefert werden.
23 gingen ein. Der jetzt hochberühmte damalige Stadtbaumeister
von Köln, Herr Raschdorff, erhielt mit vollstem Recht den ersten
Preis, und sein Projekt wurde dem Bau zu Grunde gelegt. Da er
dieses in der Erbkam’schen Zeitschrift für Bauwesen (Jahrgang 19,
P- 194, Atlas Bl. 28—30) im Jahre 1869 veröffentlichte und viele
Kasinos sich beeilten den schönen Plan nachzuahmen, so hat der