Full text : Saarbrücker Kasino-Chronik

nächsten Generalversammlung aufgeschoben werden sollte, so wird
sich das OÖffizierkorps bis dahin allen und jeden Besuch des Kasinos
versagen.“ Als der Vorstand auf den Vorschlag nicht einging, besuchten
 die Offiziere das Kasino nicht mehr; Vorstand und Verwal-‚sungsrath
 lehnten nun ihrerseits die Musik ab. Heftige Schreiben erfolgten.
 Zwar siegte in der Gesellschaft die versöhnliche Richtung
and die Generalversammlung vom 24. Juni 1843 ernannte die Offiziere
zu Ehrenmitgiedern. Aber als am Königsgeburtstag, 15. Oktober 1843,
zu welcher Feierlichkeit das Kasino nur das Lokal hergab, Kaufnann
 X. einen Toast auf die Saarbrücker Abgeordneten zum Provinziallandtage
 ausbrachte, blieb das OÖffizierkorps von neuem fort.
Vergebens bemühten Sich der Divisionsgeneral aus Trier und der
Oberpräsident v. Auerswald, beide persönlich, der eine im April,
der andere im Juli 1844, eine Einigung herbeizuführen. v. Auerswald
 sprach die Ansicht aus, dass die einzige Art, solche Verhandlungen
 für immer zu beseitigen, darin bestehe, die Offiziere allen
andern gleichzustellen und der Ballotage zu unterwerfen. Aber der
Vorstand, in welchem zwei Juristen sassen, ÖOberprokurator Leue
und Anwalt Dietzsch, bemerkte dagegen, dass eine solche Ballotage
 bei dem Korpsgeiste des Offizierkorps die grössten Inconvenienzen
mit sich führe und durch gleiche exceptionelle Einrichtungen umgyangen
 werden müsse und seit 50 Jahren mit Erfolg umgangen
worden sei. 1846 ist doch eine Einigung dahin erfolgt, dass die
Offiziere die Einladung als Ehrenmitglieder an der Kasinogesellschaft
theilzunehmen annahmen. Die Märzrevolution bereitete dem ganzen
Streite ein höchst drastisches Ende; am 24. März richteten 72 Mitglieder
ein Schreiben an den Vorstand: „Die grosse Zeit mahnt alle deutschen
Männer zur innigsten Verbrüderung, deshalb stellen wir den Antrag,
die Offiziere der hiesigen Garnison hinsichtlich der Ballotage und Aufnahme
 allen übrigen Bürgern gleichzustellen.“ Sofort wurde am folgenden
 Tage, 25. März, eine ausserordentliche Generalversammlung
einberufen und der Antrag einstimmig angenommen. Dies Verhältniss
bestand weiter, als die Huvsaren 1849 versetzt wurden, mit den 7.
Ulanen, die von 1851—1878 hier in Garnison lagen. Allerdings trat
von November 18538 bis April 1865 wieder eine Unterbrechung ein:
Auf einem Balle kam es zwischen einem Civilisten und einem sonst
sehr beliebten Offizier zu einem Wortwechsel, der mit Scherzworten
begann, dann aber mit einer Forderung von seiten des Öffiziers endigte.
Der betreffende Kaufmann ging auf diese nicht ein, mehrere Offiziere
ergriffen lebhaft Partei gegen ihn, viele ältere Herren sprachen sich
eifrig für ihn aus, der Vorstand wollte wohl für den Civilisten einschreiten,
 da zeigte Oberstlieutenant v, K. am folgenden Tage ohne
Angabe von Gründen den Austritt des Offizierkorps an. Der Vorstand
            
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