Full text : Saarbrücker Kasino-Chronik

Wagen und Pferde besassen; unser Vater duldete es nicht anders.
Mandelmilch wurde gereicht; um 8 Uhr war der Tanz zu Ende. Die
älteren Damen sassen auf einer Estrade. Die meisten strickten, einige
spielten Whist.“ Die alte Einfachheit hielt sich noch lange; das grosse
Ereigniss bildete später der „Thee“, den Frau X., die angesehenste
Dame der Gesellschaft, alljährlich im Kasino gab; das war der glänzendste
 Ball in den Städten.

Offiziere.
Das Verhältniss zu den Offizieren der Garnison.
Die Frage, ob auch die Offiziere der Ballotage unterworfen sein
sollten, hat bekanntlich in vielen Kasinos des Westens grossen Staub
aufgewirbelt; höchst eigenthümlich war der Verlauf bei uns. „Seit
50 Jahren waren“, wie es im Berichte heisst — also seit Anfang der
Joer Jahre — „die Offiziere der Garnison immer als Gäste der Gesellschaft
 betrachtet worden; so oft ein Regiment einrückte, wurden
dessen Kommandant wie die Offiziere vom Vorstande zum Besuche
eingeladen.“ Dies Verhältniss wurde den 9. Husaren, die seit 1820
hier lagen, auf die Dauer drückend. So erliess denn der Kommandeur,
Major v. Willisen, am 13. Februar 1840 ein sehr artiges Schreiben an
den Vorstand: „So dankbar anerkennend das OÖffizierkorps die freundliche,
 zuvorkommende Aufnahme in der verehrlichen Kasinogesellschaft
 auch anzusehen hat, so kann es doch dem Öffizierkorps nur
wünschenswerth erscheinen, Theil an den entstehenden Kosten zu
haben. Im Namen des OÖffizierkorps, welches wie gesagt, das freund:
iche Entgegenkommen dankbar anerkennt, bitte ich diese uns sehr
wünschenswerthe Angelegenheiten in Beratung zu ziehen und gütigst
ınter einer beliebigen Form einen Beitrag zu acceptiren.“ Aber die
Mehrheit der Gesellschaft ging nicht darauf ein und wollte vielmehr
hre alte Stellung bewahren; die Generalversammlung vom 22. Februar
sprach sich mit 39 gegen 37 Stimmen gegen den Antrag aus. Der
Vorstand teilte dem Major mit: „Die Gesellschaft hat das unveränderte
Beibehalten der Gastfreundschaft beschlossen, die durch Annahme
rgend eines Geldbeitrages aufhören würde, eine solche zu sein. Dies
schöne seit 25 Jahren bestehende Verhältniss möge bewahrt bleiben.“
Das Offizierkorps wiederholte seinen Wunsch, die Gesellschaft hielt
hre Ansicht fest und vorläufig wurde die Streitfrage dadurch auszeglichen,
 dass das Regiment die Musik einen Tag in der Woche im
Garten spielen liess. Aber der neue Kommandeur von Schleinitz
(1842— 1848) wiederholte am ı. Mai 1843 in sehr bestimmten Ausdrücken
 den Wunsch, dass die am hiesigen Orte sich ständig aufhal-‚enden
 Offiziere durch Ballotage als unständige Mitglieder aufgenommen
werden sollten, und schliesst: „Wenn diese Angelegenheit bis zur
            
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