Full text : Der Karlsberg

dafür die Gefahr, in welcher die beiden jungen hübschen
Offiziere durch den blutgierigen Henry schweben, in den
grellsten Farben geschildert, der Bangenden dann gesagt,
daß es nur ein Muͤtel gäbe, das große Unglück abzuwenden:
dem Herrn Herzog selbst müsse man Mitteilung von dem
fündhaften Vorhaben der Drei machen, und dieser würde
schon ein Mittel wissen, dasselbe zu verhindern. Louise hatte
die Weisheit der Schwester, trotz ihres Herzleidens, be—
wundert, und als diese ihr noch weiter mitgeteilt, daß der
Angenblick günstig sei, da der Herzog heute Abend von der
Fasanenjagd im Herrenwalde zurückkehre, wie sie ganz genau
wisse, auch wo er vorüber ziehen würde — auch eingewilligt,
mit Elsa vereint den gewagten Schritt zu thun, und dem
allergnädigsten Herrn ihre Bitte vorzutragen. Es war ja
ein gutes, gottgefälliges Werk, das das Leben des armen
Offiziers oder des Bruders retten sollten, und konnte daher
das, was sie zu thun im Begriffe stand, keine Sünde sein.
Der Vater würde es gewiß auch billigen, doch war keine
Zeit gewesen, ihn davon zu benachrichtigen. Mit diesen
Gründen hatte Louise anfänglich ihres Dahineilens mit
Elsa sich getröstet, ihre immer stärker aufsteigenden Zwei—
fel zu bekämpfen versucht. Doch letztere hatten endlich den—
noch die Oberhand behalten. Gelobte sie dem Vater doch
vor wenigen Augenblicken, keine Heimlichkeiten mehr vor
ihm zu haben und nun war sie dabei, etwas zu thun, dessen
Folgen sie nicht ahnen konnte, das sie aber jetzt schon mit
einer unerklärlichen und unsagbaren Angst erfüllte. Dem
Vater gegenüber hatte sie ihr Wort nicht gehalten und das
war Sünde. Dieser Gedanke war für das arme Kind be—
reits volle Gewißheit geworden. Dazu noch die Angst um
das Leben des Bruders, des armen, so treublickenden Offi—
ziers. O, es war mehr als genug, das unschuldige reine Herz
des Mädchens, das bis jetzt sso unruhig geschlagen, mit töt—
lichem Weh zu erfüllen. Doch zu keinem Abschluß ihres
Denkens vermochte sie zu gelangen, denn Elsa ließ ihr keine
Ruhe dazu. Immerfort lustig plaudernd und kichernd, dann
wieder die schrecklichsten Dinge der Schwester zuraunend,
zog sie diese fort durch den Wald, den Bergabhang jen—
seits des Schloßbergs hinab, wo durch einen Thaleinschnitt
die Straße lief, welche in weiten Bogen auf den Karlsbera
führte, und die der Herzog mit seinem Jagdgefolge kom—
men mußte.
Der Saum des Waldes, das Thal war endlich, nach
einem Lauf von etwa einer halben Stunde erreicht. Nun
hemmte Elsa vorsichtig ihren Schritt und spähte scharf in
            
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