Drittes Kapitel.
Am Abend des Dianen Tages.
Herzog Karl hatte für seinen Hof auf dem Karlsberg
einen Kalender eingeführt, der den verschiedenen Wochen—
tagen ihre Patrone und dadurch ihre Bestimmung gegeben.
Montag galt Dianen und der Jagd in ihren verschiedensten
Formen, der Dienstag dem Gotte Mars und militärischen
Exerzititien, der Mittwoch Merkur und dem Spiel. Joris,
Venus und Bachus waren die übrigen Tage der Wocha,
geweiht, und letzterem Gotte wurden gewöhnlich derartige
Libationen dargebracht, daß die abgelaufene Woche, ihrer Be—
stimmung gemäß, in einem wirklichen allemeinen Chaos
unterging. Ter Sonntag hatte einzig und allein den Zweck,
ein neues Leben erstehen zu lassen, und die sehr langsam
zu einem solchen Erwachenden, zu einer neuen Reihe von
Opferungen zu kräftigen. So barock dies klingen mag, es
war also, und wie die Freuden des Dianatages zeitweise be—
schaffen waren, haben die Worte und Klagen des jungen Jä—
gersburger Försters Henry Tümmler bereits angedeutet.
Der heutige Montag, dessen Ereignisse wir in einem stillen
beschränkten Kreise kennen gelernt, soll indessen
nicht vorübergehen ohne uns auch dem Herrn der seltsamen
Resfidenz, in deren Nähe wir uus jetzt befanden, und sei—
nem noch seltsameren Hofstaat näher zu bringen. Die beiden
Mädchen, verschieden in ihrer Schönheit wie in ihren Cha—
raktern, werden im vollen Sinne des Wortes uns Führer—
innen sein. Tort schlüpfen sie durch das grüne Dickicht der
Wälder, auf ungebahnten Pfaden, doch einem bestimmten
Ziele zu; die braune Elsa voran mit vor Freude leuchtenden
Augen, hochklopfender Brust, die Schwester durch muntere
Worte anfeuernd, ihr zu folgen und wenn dies nicht helfen
will, sie kichernd mit sich fortziehend. Denn Louise bangt,
ihr hübsches Gesichtchen drückt mehr denn Furcht, ein pein—
liches Weh aus.
Und Ursache dazu ist für das arme Mädchen vorhanden.
Elsa, zu ihr zurückgekehrt, hat ihr mitgeteilt, was sie er—
lauscht, wenn auch nicht ganz der Wahrheit gemäß, doch