Full text : Der Karlsberg

schnüren besetzt, und die, welche zu Fuß marschierten, hatten
Mützen auf so hoch und so spitz, daß die Leute noch Eins so
groß ansahen. Lange blieben wir auf dem Berge sitzen und
ich freute mich schon, daß ich dem Verlangen Elsa's, uns
aus unserem grünen Revier hinauszuwagen, gefolgt war.
Als das Exerzieren vorüber, die Soldaten wieder nach dem
Schloß und ihren Kasernen zurückmarschiert und geritten
waren, da gingen wir heim. Nun denke Dir unsern Schreck,
lieb' Väterchen, doch auch unsere heimliche Freude, als wir
dort, wo der Weg über den Berg führt, auf zwei dieser Sol⸗
daten in den schönen raten und grün-weißen Röcke tra—
fen. Es waren sogar Ofsiziere, ein paar junge, sehr hübsche
Herren, die im ersten Augenblick womöglich noch erstaunter
thaten, als wir. Der Grünweiße, der Chevauxleger, sprach
gleich sehr freundlich mit Elsa, die ihm auch antworten
wollte, doch ich erschrack mehr und mehr und drängte heim.
Der Offizier, Herr von Scharseneck, der bereits mit Elsa
plauderte und lachte, wollte uns zurückhalten, da fing ich
unwillkürlich an zu weinen.“
Louife fuhr weiter:
„Nun trat der rote Husar — er hatte mich nur ange—
blickt, ach! so freundlich und so gut! — auf seinen Kame—
raden zu und bedeutete ihn in sehr ernstem Ton, uns ziehen
zu lassen. Der Andere wollte aufbrausen, zum wenigsten
unsere Namen wissen, oder uns folgen, doch der Husar, Herr
don Altheim, verbot es ihm so strenge, daß Jener sich end—
lich fügte. Sehr ehrerbietig verbeugte sich der Offizier vor
mir und, während ich kaum aufzuschauen wagte, lachte Elsa
dem Andern so keck in's Gesicht, daß ich mich fast schämen
mußte. Dann eilten wir davon und ich sah noch, wie der
Rote seinen Freund, der uns folgen wollte, fast gewaltsam
zurückhielt. Ich schalt Elsa über ihr Thun, doch diese lachte
mich aus, und überzeugte mich endlich, daß dies Alles so
hätte sein müssen, wir aber durchaus zu Niemanden davon
reden dürften — als ob wir außer Dir, Henry und unserer
alten Hanne sonst noch mit vielen anderen Leuten zu—
sammenkämen! Ich glaubte der Elsa und fand es endlich
auch gar schön, ein kleines Geheimnis zu haben. Doch noch
weit mehr Freude macht es mir jetzt, da ich es Dir mit—
geteilt und weiß, daß Du Dich mit mir darüber freuen
wirst. Ist's nicht so, lieb' Väterchen?“
Toch der Vater freute sich nicht, zum wenigsten deutete
keine Miene, keine Bewegung dies an, denn wie früher,
den Kopf auf die Brust gesenkt, saß er, immerfort tief at—
mend, da. Endlich sprach er, und gelassen, fast gleichgiltig
klang der Ton seiner Rede:
            
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