nächster Nähe vermag er die Gegenstände zu unterscheiden,
zu erkennen und deshalb kann er sich auch frei an bekann—
ten Orten, wie im Hause und dessen nächster Umgebung,
bewegen. An besonders hellen Tagen vermag er auch für
Augenblicke in einem Buche mit großem Druck, wie die
Bibel, welche neben dem Sessel auf der Fensterbank liegt,
zu lesen.
Toch dies Amt besorgt für gewöhnlich sein Töchterchen
Louise; gerne liest sie ihm aus dem heiligen Buche vor, oder
aus irgend einer alten Chronik, doch auch die „Churpfälzi—
sche Hos- und Staatszeitung“, welche sich dann und wann
in einzelnen Exemplaren bis in das stille Haus im Walde
verirrt.
Bei seinem Heimgang hat der Förster demnach auch
die Fremden, welche in der Nähe des Jagdhauses weilten,
bemerken können; der Husar hatte sich mit Absicht so auf—
gestellt, daß Tümmler dicht an ihm vorüberkommen mußte.
Tie rote Uniform hat er erkannt und über sie beginnt er
sofort mit seinem Töchterchen zu reden.
„Der Louisenhof hat Besuch erhalten, wie ich gesehen,
es waren ihrer Mehrere. Erzähle mir von ihnen, Louise,
sage mir ihre Namen und was sie gewollt.“
So klang es anscheinend ruhig und gemessen, und heiter,
unbefangen erwiderte das Mädchen:
„Henry ist gekommen, doch vor ihm kamen zwei Herren
— Offiziere, ein Husar und ein Chevauxleger, wie Elsa
sagte, die sie von unserer Stube aus bemerkt hatte“
„Und wußte Elsa auch ihre Namen?“
„Henry nannte den Einen Herr Guido von Scharfen—
eck, den in dem grün-weißen Rocke. Der Andere —“
Das Mädchen stockte, dringender sprach der Vater:
„Nun, und der Andere, der Husar, wie nennt er sich?
Tu kennst seinen Namen.“
„Ja, Vater, er heißt Hans von Altheim und ist ein
sehr artiger und höflicher junger Herr.“
„Wie — nicht allein seinen Namen, sondern auch ihn
selbst hast Tu schon kennen gelernt, wohl gar auch schon
mit ihm geredet? Und davon hast Du mir bis jetzt nichts
gesagt! Tas war nicht recht, Louise!“
„Verzeih', Väterchen!“ bat das Mädchen, dem Vater
den Arm um den Hals schlingend. „Ich wollte es thun,
doch Elsa meinte, es sei besser, Dir nichts von der Begeg—
nung zu sagen.“
„Ah! — also Heimlichkeiten! Schau', schau'! Doch
jetzt wirst Du reden, mir Alles sagen, nicht wahr, mein
Kind?“