Full text : Der Karlsberg

mit geblümten Papiertapeten bedeckt, zwei Betten mit blen—
dend weißen Decken, ein Tischchen mit allerlei weiblicher
Handarbeit, blühende Blumen an den Fenstern sind zu
schauen, und Alles sagt nur zu deutlich, daß dies das Reich
der beiden Mädchen ist. Noch eine nicht gewöhnliche Aus—
stattung hat das Zimmer, der Blick des Beschauers in der
Wohnstube fällt gerade darauf. In einer hinteren Ecke be—
findet sich ein Schränkchen von dunklem Holz und ver—
schnörkelter Form, gekrönt von einem Kreuze, das aus einem
kühn geschwungenen Schnörkel emporzusteigen scheint. Die
obere Hälfte wird durch ein Doppelthürchen geschlossen, das
jetzt jedoch weit geöffnet und zu beiden Seiten zurückge—
schlagen ist. Tas Innere des Schränkchens ist himmelblau
bemalt und goldene Sterne glänzen daraus hervor. In
der Mitte steht, fast bis zum oberen Abschluß reichend,
ein holzgeschnitztes, mit Farben und Gold zierlich bemaltes
Muttergottesbild, das segnende Christuskindlein auf den
Armen. Vor diesem Schränkchen steht ein kleines Tischchen
mit weißer Decke und auf demselben befinden sich zwei
Vasen mit frischen Blumen und ein paar schöne Leuchter mit
gelben Wachskerzen. Um diesen improvifierten Altar zu
vervollständigen, sind an dem Tischchen noch zwei kleine
Brettchen angebracht, die einen Betschemel bilden. Das
Ganze ist nicht allein ein Altar, sondern dient auch als sol—
cher der kleinen Familie, welche, entfernt von Homburg
und seiner Kirche, im einsamen Walde wohnt und das Ver—
langen hat, das Herz nach den Gesetzen ihres Glaubens zu
Gott zu erheben. Die blonde, im Herzen reine und fromme
Louise hat den Altar mit Hilfe des Vaters und des Bruders
schon vor Jahren hergerichtet, und sie ist es hauptsächlich,
die oft vor ihm niederkniet und gläubig für die Ihrigen und
alle guten Menschen nach Oben betet.
Im die Wohnstube haben die beiden Mädchen den aus
dem Walde heimkehrenden Vater geleitet — doch kaum hatte
dieser Platz in dem Sessel gefunden, als die braune Elsa
auch schon wieder davonsprang, die Thüre der Stube hinter
sich zumachte und die Schwester mit dem Vater allein ließ.
— Was sie draußen gewollt und gethan, haben wir bereits
erfahren.
Vater Dümmler ruht in seinem Lehnstuhl und neben ihm,
auf einem Schemel sitzt Louise, das blonde Köpfchen an
die Brust des Vaters geschmiegt, dessen Hand ihr Haar strei—
chelt, dessen Mund in einem Kusse die reine Stirn seines
Lieblings grüßt.
Wenn des alten Försters Sehkraft sich auch in hohem
Grade geschwächt findet, so ist er doch nicht blind. In
            
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