„Gefehlt, Henry!“ lachte Elsa wahrhaft übermütig auf.
„Und nicht allein sehen will ich die Welt und die Menschen.
sonderen' mich auch mit ihnen freuen, spielen, singen und
tanzen! Gleich heute mache ich den Anfang dazu und werde
mir den Heimzug des Herrn Herzogs von der Jagd mit
ansehen, der nicht weit von unserem Walde vorüberkommen
wird. O, ich weiß Alles, habe mich erkundigt und will von
nun an nach meinem Kopfe handeln.“
„Elia, das ist Dein Unglück!“ schrie Henry auf und
seine Worte klangen wie ein wirklicher Schreckensruf. Zu—
gleich entfärbte sich sein Gesicht und unbeweglich starrte er
eine Weile auf das Mädchen, welche über die unerwartete
Bewegung des jungen Mannes erschrocken zusammengefah—
ren war. Tann hob Henry langsam den Arm, deutete auf
eine Stelle des Halses und sprach, wie abwesend:
„Blut! — ein blutiger Streifen rings um Deinen
Hals! —“
Im folgenden Augenblick ertönte eine so helle, lustige
Lache, als Antwort auf diese unheimlichen Worte, daß der
Jäger wie aus einem Traum erwachte und tief aufatmete.
„Du bist ein finsterer, garstiger Geisterseher, Henry,“
fuhr Elsa in ihrer ausgelassenen Lustigkeit fort. „DTas ist
kein Blut — o, pfui! wie käme dies an meinen Hals?! —
sondern nur ein hübsches, rotes Bändchen, das Louise mir
geschenkt und ich — Tir zu Liebe trage. Schau' her!“
Damit hatte sie das Bändchen von ihrem Halse gelöst,
das diesen in der That wie ein schmaler roter Streifen
rings umgeben und von Henry bis jetzt nicht bemerkt wor—
den war. Sie reichte es nun lachend dem jungen Manne.
An dem Bändchen befand sich eine kleine goldene Münze.
„Dein Talisman!“ sagte Elsa jetzt, während Henry, der
sich von seinem Schrecken noch nicht ganz erholt zu haben
schien, den goldenen Pfennig und das Bändchen betrachtete.
„Du gabst mir die Münze — einst! — als wir noch Kinder
waren und zusammen spielten und sagtest mir, daß ich sie
hoch in Ehren halten sollte — warum? das wolltest Du
mir später erklären und hast bis heute Dein Wort nicht ge—
halten. Doch ich war treuer, als Du! Das goldene Zeichen
mit seinen fremdartigen Schriftzeichen ist seit jener Stuude
nicht von meinem Halse gekommen, auf meiner Brust, an
meinem Herzen hat es geruht, als eine Gabe von Dir, als
ein Talisman, wie Du mir es bezeichnetest. Seit gestern
habe ich das schöne vote Bändchen durch die kleine Oeffnung
gezogen und nun will ich Beides auch ferner tragen, obgleich
Tu mein armes Band für rotes Blut angesehen hast!“