Full text : Der Karlsberg

an! Tas Mädchen, welches die Gattin eines Mannes, seine
Gefährtin für's ganze Leben werden soll, darf nimmer füh—
len, denken und reden, wie Du soeben es gethan. Nur ihm.
dem Erwählten, darf ihre Liebe gelten, jeder andere Mann,
und sei er noch so jugendlich schön, schmücken ihn auch die
prächtigsten Kleider, er muß ihrem Herzen gleichgiltig sein
und bleiben.“
„Und wenn dies nun — nicht möglich ist?“ stotterte
Elsa verlegen und errötend.
„Es ist möglich, wenn das Mädchen den Mann ihrer
Wahl wirklich, von ganzem Herzen liebt.“
„Und so — müßte ich Dich lieben — da ich ja Dein
Weib werden soll?“
„So wirst Du mich lieben, Elsa!“ rief jetzt der Jäger,
den sein Gefühl für das schöne, verführerische Wesen über—
wältigte. „Tenn kein Herz auf Gottes weiter Erde kann
DTir eine Liebe geben, wie das meinige, wahr und heiß und
treu für das ganze Leben!“
Tabei hatte er sie aufs Neue an seine Brust gepreßi
und glühende Küsse bedeckten die schönen Lippen, welche diese
mit vollster Hingabe und mit gleicher stürmischer Glut er—
widerte.
Als Beide nach kurzem Liebesrausche wieder etwas ruhi—
ger neben einander saßen, hob Elsa plötzlich den Kopf und
blickte Henry forschend in das Antlitz. Dann fragte sie:
„Und wenn ich dann Dein Weib geworden, was wird dann
mit uns geschehen?“
„Dann bleiben wir beisammen, bis an das Ende unserer
Tage, unser Glück wird ein herrliches, dauerndes sein!“
rief begeistert der junge Mann.
„Ich meine, wo werden wir wohnen,“ entgegnete unbe—
fangen lächelnd Elsa, „was werden wir treiben?““
Henry mußte das Unpassende dieser Worte wohl nicht
bewete —R0—
er fort:
„In meinem Jägersburger Walde und seinem Forsthaus,
die der Herzog mir überwiesen, ist es wunderschön, dort
werden wir wohnen — oder vielleicht auch uns einen an—
dern ähnlichen Wohnsizz suchen.“
„Immer wieder in einem großen Walde und noch ent—
fernter von dem Schlosse, als der Louisenhof!“ rief Elsa
fichtlich nicht angenehm von der Eröffnung überrascht.
„Doch auch entfernt von allen Zudringlichen, die unser
stilles häusliches Glück stören könnten.“
            
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