Regierungsantritt vor nunmehr vierzehn Jahren, in Gna—
den den Mann belassen, der ihm in einem kritischen Augen—
blick wohl unabsichtlich seine Ergebenheit bezeigt. Durch die
Abnahme seiner Sehkraft war der früher so kräftige Mann
und rüstige Jäger gewaltig darniedergedrückt und vor der
Zeit alt gemacht worden. Sein treues, braves Weib war
von ihm gegangen auf Nimmerwiederkehr und hatte ihn
allein bei seinen Kindern zurückgelassen. Drinnen
in einem Revier des Waldes, wohin nie der Fuß eines Frem—
den sich verirrte, schlief Mutter Walpurga unter grüner
Moosdecke den ewigen Schlaf; von dorther, seinem täglichen
Gange, kehrte der alt gewordene Förster heim, den nun sein
Töchterchen Louise, sein Liebling, mit jubelnder Stimme
willkommen hieß.
„Elsa, der Vater!“ rief das blonde Mädchen noch, indem
es dem Ankommenden entgegeneilte, und nun sprang auch
die Schwester mit dem braunen Gesichtchen, den Glut- und
Schelmenaugen, vollends aus dem Hause. Zwischen dem
Jäger und dem Chevaurleger schoß sie hindurch, beiden
keck in die erregten Gesichter schauend und dabei eine so
helle, lustige Lache anschlagend, daß der Offizier wahrhaft
derblüfft zurücksuhr, Henry aber die Zähne zusammenbiß
and finster die Stirne runzelte. Herr von Scharfeneck schüt—
telte jedoch die Unbehaglichkeit von sich ab, und da er sah,
daß die braven Mädchen sich mit dem halbblinden Förster
beschäftigten, daß sein Kamerad, der Husar, in respektvoller
Entfernung sich in das Anschauen seiner blonden
Schönen vertiefte, schritt er rasch auf den recht grimmig
blickenden Jäger zu, zog ihn ohne viele Umstände noch
einige Schritte weiter seitwärts und raunte ihm dann hastig,
doch in bestimmter Weise zu:
„Mit meinem Kameraden seid Ihr leichten Kaufes da—
bvongekommen, der den Bruder der Angebetenen in Euch
erkannt. Mit uns Beiden steht es anders. Die braune
Dirne, schön wie eine Bewohnerin des Himmels, doch auch
wie ein neckischer Kobold aus der Hölle, kann Eure Schwe—
ster nicht sein, den Blick, den Ihr ihr zugeworfen, hat es
nir gesagt, wie die Antwort, welche Euch auf gleichem Wege
zeworden, mir zugleich sagte, daß Ihr dem Mädchen nicht
mehr seid, als ich: ein bis zur Stunde unerhörter, schmach—
tender Anbeter, und daß Ihr folglich auch keine anderen
Rechte auf sie habt, als ich. Einer von uns ist deshalb hier
zu viel, und so ersuche ich Euch denn, mit gebührender Höf—
lichkeit, Euch nicht weiter um die Schöne bekümmern zu
wollen und mir das Feld zu überlassen.“