Full text : Der Karlsberg

Zweite Abteilung.
Eine Woche auf dem Karlsberg. (1789.)

Erstes Kapitel.

Im Louisenhof. — Nach 14 Jahren.

„Holla, Herr Offizier! das Fenster führt in die Stube,
doch nur durch die Thür dort gelangt man in's Haus —
im Falle Sie zu dem alten Förster Dümmler wollen.“
„Just zu dem will ich nicht. Hättet deshalb Eure Be—
lehrung sparen können, die ungefragt kam und wohl Anderes
verdient hätte als Dank.“
Ein junger Offizier in der eleganten grün-weißen Uni—
form der Chevauxlegers, mit zierlich gepuderten Seiten—
locken, die kokett unter dem blanken, mit Tigerfell verbrämten
Helm hervorschauten, hatte diese Antwort lachend einem
Jäger gegeben, der ihn überrascht, wie er vorsichtig durch
das Fenster des Forsthauses spähte, vor dem sich Beide be—
fanden.
Der Jäger, ein junger Mann von hoher breitschulteriger
Gestalt mit gebräunten Zügen, die hübsch zu nennen waren,
schien mit dem erhaltenen Bescheid keineswegs zufrieden zu
sein. Seine Brauen zogen sich zusammen, seine Züge nah—
men einen drohenden Ernst an und mit einer Stimmé,
die ein zurückgehaltener Unmut durchzitterte, entgegnete er:
„Zu wem könnt Ihr denn sonst wollen, da nur der
Förster den Louisenhof bewohnt?“
„Halt da, Herr Jäger!“ rief der Offizier nun ebenfalls
mit stolzem Ton. „Eure früher Bemerkung habe ich lachend
abgewiesen, eine weitere anzuhören bin ich nicht gewillt.
Wohl will ich Euch einen guten Rat Heben, den Ihr als Be—
lehrung annehmen dürft? Geht Eurer Wege, jagt in den
Wäldern Eurem Wild nach, so viel Euch beliebt, nur
kommt nicht in fremdes, nicht in mein Gehege! Hier ist zur
Zeit mein Jagdrevier, und Eure unerwünschte Gegenwart
— mir das Wild verscheuchen, dem ich nachspüre,
deshalb —“
            
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