den ekelhaften Lumpen, die seine Blößen nur notdürftig
bedecktens, hob sie es auf ihren Arm und jprach:
„Gleichviel, wem Du gehörtest, wer Deine Eltern sind,
von nun an gehörst Du uns, denn die Dich, Du armes
Geschöpfchen hierher gelegt, hatten Vertrauen zu uns, daß
wir Dich nicht im Walde umkommen lassen würden. Ihr
Vertrauen soll nicht zu Schanden werden, und wir wollen
das unsere auf Gott den Herrn setzen, daß er die That, welche
seine Weisheit geschehen ließ, zum Guten lenke!“
Als ob das braune Kind die Worte der Frau verstan—
den, lächelte sie es an und versuchte ihr die Wangen zu
streicheln, was Frau Walpurga gerne, der unschuldigen
Kleinen zu Liebe, duldete.
Henry und Louise hatten bisher noch kein Wort geredet,
das kleine Mädchen schmiegte sich noch immer ängstlich an
ihren Bruder an, wenn es auch bereits lächelnd und er—
mutigend auf das arme Kind blickte, das, wie nach den
Worten der Mutter zu schließen, von nun an bei ihnen
bleiben sollte.
Leise flüsternd teilte Louise ihre Gedanken Henry mit,
doch der Knabe schwieg noch immer. Sinnend, doch ohne den
Blick von dem fremden Mädchen abzuwenden, das jetzt auch
ihn anlächelte und ihm die Händchen entgegenstreckte, gedachte
er seines märchenhaften Traumes, der Schwester, die er
darinnen geschaut und nun auch in Wirklichkeit gefunden.
Die Mutter war mit dem Kinde in das Haus getreten.
während Henry und Marie von ihr angewiesen worden
waren, draußen zu bleiben. Kurze Zeit nachher trat Frau
Walpurga wieder unter die Thüre, an der Hand das fremde
Mädchen, das sie von seinen Lumpen befreit, gereinigt und
in ein Kleidchen der kleinen Louise gesteckt. Jetzt erst sah
man, wie hübsch das braune Kind war, und nun begrüßten
auch Henry und Louise es mit lautem Jubel. Die Mutter
reichte der Kleinen einen Teller frischer Milch und Brot, und
bald spielten die drei Kinder so heiter und fröhlich, als ob
sie einander immer gekannt und geliebt.
Als am späten Abend der Vater traurig und niederge—
schlagen von dem entsetzlichen Ausgang der Fagd, von Hom—
burg, wohin er die Leiche des unglücklichen Fürsten geleitet,
heimkehrte, führte die Mutter ihn leuchtenden Auges in die
Schlafstube der Kinder. Da lag das fremde braune Mädchen,
das von der Familie später „Elsa“ genannt wurde, in
dem Bettchen neben der kleinen Louise, und beide hielten
sich umfangen und schlummerten. Nachdem Frau Walpurga