Full text : Der Karlsberg

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Ueber das Lager breitete Jana einen größen Teppich
mit golddurchwirkten seltsamen Mustern, einen ähnlichen
über den Tisch und den Boden. Einem anderen Packe ent—
nahm sie zwei schwere silberne Gefäße und legte allerlei
Wurzel⸗ und Räucherwerk hinein und stellte das eine zu
Haupten des Lagers, das andere auf den Teppich des Ti—
sches. Ein großer silberner Becher und einige Schüsseln
von gleichem kostbaren Metall vervollständigte die Aus—
stattung.
Nun eilte Jana hinaus und kehrte nach einer Weile mit
einem Korbe zurück, der Früchte aller Art, Brot und eine
Menge grüner Zweige enthielt. Die Früchte legte sie, mit
Blättern geschmückt auf den einen Teller auf den andern
das Brod und ein zweischneidiges DTolchmesser von selte—
ner Arbeit mit kostbarem ciseliertem Griff. Dann begann
sie einzelne Stellen der Wände mit den Zweigen zu zieren.
„Das wäre geschehen, nun will ich an mich denken,“ sagte
das schöne üppige Weib und begann ihr glänzend schwar—
zes Haar zu glätten und zu salben.
Ihre Kleidung vertauschte sie mit einer leichteren, die
ihre Reize noch sichtbarer hervortreten ließ, schürzte sie
bunte Schärpe wieder um ihre Hüften, ordnete den ori—
ginellen Schmuck ihres Halses und betrachtete sich mit Wohl—
gesallen in dem metallenen Spiegel, der ihr verführerisches
Bild nur zu deutlich wiedergab.
„Er mag kommen, so kann ich ihn empfangen!“
Herzog Karl hatte, Homburg in einem weiten Bogen
umreitend, mit seinen Begleitern nun die Zweibrückersträße
erreicht und war bei dem Dorfe Schwarzenbach angelangt.
Auf der Höhe befanden sich die Ruinen der Abtei, welche die
Zigeunerin ihm als ihr Heim bezeichnet hatte, das Ziel
eines ersten Rittes als gebietender Herzog.
Nicht weit von dieser Stelle, in einer waldigen Seiten—
schlucht des Bliesthals, bei dem „guten Brunnen“ lag das
Schlößchen Louisenthal, welches der frühere Herzog Sa—
e seiner zweiten Gemahlin zu Ehren hatte errichten
assen.
Dorthin befahl der Herzog Karl dem Herrn von Esebeck
und dem Jäger TDestner, zu reiten und fseiner zu harren
Tann lenkte er vom Wege ab und suchte die Abhänge prüfend
einen Weg, der ihn hinauf auf die Höhen führen könne.
Herr von Esebeck hatte mit einer devoten Neigung des
Nauptes den unerwarteten Befehl entgegengenommen, doch
Destner erbleichte, als er nach den Worten des Herzogs sah,
wie dieser den Versuch machte, die Höhe zu gewinnen.
            
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