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Sechstes Kapitel
„Uschah, Hengesch, Gallando! kommt Alle, Alle herbei
und hört!“
So rief die Zigeunerin Jana, als sie nach ihrem Aben—
teuer mit dem Prinzen wieder bei ihrer Lagerstätte in den
Ruinen der alten Abtei angelangt war. Inmitten der Trüm—
mer stand sie hoch aufgerichtet, glühenden Antlitzes, blitzen—
den Auges und ließ mit ihrer vollen Stimme den befehlen—
den Ruf erklingen.
In den Ruinen regte es sich, an allen Orten tauchten
braune Gesichter, zerlumpte Gestalten auf; Männer, Wei—
ber, Kinder, und Alle näherten sich hastig, doch unterwürfig.
Jana, die einer Königin gleich unter dem braunen Volk da—
stand und es stolz überschaute.
Es mochten etwa 60 Personen sein, Alt und Jung, Wei—
ber von abschreckender Häßlichkeit, halbnackte Mädchen, Kna—
hen und Kinder, Hunde, eine echte Zigeunerbande. Doch
auch anziehende Gestalten gab es unter ihnen, junge Wei—
ber mit schönen regelmäßigen Zügen, feurigen Augen und
mit einer phantastischen Koketterie geschmückt, besonders
aber Männer mit kräftigem Gliederbau, feinen Gesichtern
chwarzen gelockten Haaren von charakteristischer Schönheit.
Unter ihnen zeichnete sich besonders Einer durch seine
een und Schönheit aus, der, den Jana Gallando genannt
atte.
Erwartungsvoll blickte die Horde zu Jana auf, die ihre
Blicke über die ihrigen schweifen ließ und dann mit stolzer,
wilder Erregtheit sprach:
„Unsere Stunde ist gekommen, was uns verheißen, wird
in Erfüllung gehen! Nicht mehr brauchen wir zu wandern
von dem kalten Norden bis zu dem Lande, wo die Sonne
glüht; nicht mehr werden wir gejagt und gehetzt von einem
Orte zum andern, wie Hunde und gefährliche Bestien. Die
Verheißung wird sich erfüllen, wir werden ein Reich, ein?
Heimat haben. Hier in dem Lande bleiben wir, drüben
in dem großen Walde auf dem Karlsberg wird man uns
Wohnstätten bunt und reich errichten und alles in der Runde.
was Wald und Feld, Hof und Haus birgt, wird unser sein.
Das elende Volk, das wir hassen, muß uns dienen, für uns