verwaisten Söhne. Tief erschüttert standen die Kavaliere
und Jäger in der Runde. Alle Häupter hatten sich ent—
blößt, die Hände unwillkürlich zum Gebet gefaltet, das wohl
auch mancher Mund in der Stille sprach für den auf so
furchtbare Weise Fus dem Leben Geschiedenen. War er
ihnen und dem Lande doch stets ein guter und gerechter
Herr und Gebieter gewesen.
Prinz Karl, nunmehr Herzog Karl der Zweite von Zwei—
brücken, unterbrach plötzlich die lautlose Stille, indem er
in schneidigem Tone befehlender Weise sprach:
„Schafft die herzogliche Leiche in das Homburger Schloß,
morgen werde ich das Nötige zu ihrer Beisetzung anordnen.
Ihr Frau — Gräfin von Forbach, werdet Euch mit Enren
Söhnen ebenfalls dorthin begeben und meine weiteren Be—
fehle erwarten. Ihr Anderen kehrt dann nach Zwei—
brücken zurüchk, wohin ich reiten werde. — Herr von Ese—
beck, Destner, Ihr folgt mir!“
Damit hatte der neue Herzog sein Pferd bestiegen, das
der Jäger Destner gehalten und ihm vorgeführt. Ohne
sich nur noch einmal umzusehen nach der Leiche seines
Oheims, sprengte er davon, von Beiden gefolgt, welche ihre
Siegesfreude über die ihnen gewordene Auszeichnung kaum
auf ihren Gesichtern zu verbergen vermochten.
Da erhob sich Prinz Max und zog die beiden jungen
Grafen zu sich empor, schloß sie in seine Arme und flüsterte
den Weinenden zu:
„Laßt mich Euer Bruder sein, Ihr Armen! Euch will ich
mit Liebe vergelten, was der Geschiedene, der auch mis
ein Vater gewesen, an mir gethan!“
Unter gegenseitigem Händedruck eilten sie auf die Mut—
ter zu, welche ihrer Hilfe, ihres Trostes mehr denn je be—
dürftig war.
Eine Weile später bewegte sich der Trauerzug mit der
Leiche des Herzogs Christian langsam durch die Bruch—
wiesen in der Richtung nach Homburg zu. Wie anders war
die Rückkehr von der unseligen Jagd, als der fröhliche Aus—
zug am Morgen!
Nur Einer, der am Morgen mit bitterem Grimm und
Haß im Herzen, mit finsterem Blick dem Jagdzug gefolgt
war, ritt jetzt mit hoch erhobenem Haupte, mit strahleü—
dem Antlitz heim — vorerst jedoch einem verlockenden Aben—
teuer entgegen.
„Er wird kommen!“ hatte sich Jana, die Zigeunerin, ge⸗
sagt und sich nicht getäuscht, denn ihr, die ihm sein Glück
tundet, galt der erste Ritt des neuen Herzogs von Zwei—
rücken.