Erde geworfen, weinten, klagten und beteten. Ihr Jammery
um den Vater war herzzerreißend.
Wohl eine halbe Stunde war in dieser schrecklichen Situ—
ation vergangen, da wurden in der Ferne die Hufschläge
von Pferden auf dem Waldboden hörbar und in rascher
Eile kamen die Reiter näher. Als ob der Verwundet. ihre
Nähe geahnt, sie erkannt, nur auf ihr Kommen gewartet, um
ein Lebenszeichen von sich zu geben, schlug er jeßt die Augen
bollends auf und ein matter, doch sprechender Blick traf die
Dame, welche er zu seiner Gattin erhoben, dann die beiden
jungen Herren, seine Söhne. Sein Arm machte einen Ver—
uch, letztere zu umfangen, und laut weinend bargen die
Grafen ihr Antlitz an der Brust des Vaters, während die
Gräsin die Hand des Sterbenden an ihre Lippen preßte
und mit heißen Thränen benetzte.
In diesem Augenblick erschienen in dem Bruch die Rei—
ter, es waren ihrer vier, die beiden Prinzen Karl und
Max, Herr von Esebeck und der Jäger Destner.
Alle vier stiegen von ihren schaumbedeckten Pferden und
die beiden Prinzen näherten sich rasch ihrem unglücklichen
Oheim.
Prinz Max war tief erschüttert. Weinend warf er sich
neben seinen jungen Vettern auf die Kniee, ergriff die Hand
des Herzogs und küßte sie mit inniger Liebe und tiefer Rühr—
ung. Prinz Karl jedoch blieb vor dem Oheim stehen, sein
Antlitz war finster und zeigte weder Schrecken noch Mitleid.
Nur ihn schien das Auge des Sterbenden zu suchen.
Stumm, doch ehrerbietig wichen die Umstehenden vor
dem Prinzen, der schon im naͤchsten Augenblick ihr Herr und
Gebieter sein konnte, zurück.
Der Herzog vermochte jetzt seinem Neffen in das Gesicht
zu schauen. Mit einem bangen Seufzer zog eine neue fahle
Blässe über seine vor Schmerz verzerrten Züge.
Noch einige Male hob sich die Brust, als ob sie Kraft
zu einer letzten Anstrengung gewinnen wollte, dann
wandte er den Blick von dem finsteren Prinzen ab, nach
einen Söhnen hin, und stöhnte abgerissen die Worte:
„Meine Kinder — lei ihnen ein — gütiger Freund und
Berater! — Der Herr dort oben — —“
Mehr vermochte er nicht zu sagen, die letzten Worte
zingen in einem entsetzlichen Röcheln unter. Noch einmak
zuckte der Körper auf, dann sank der Kopf krastlos zurück.
Die Augen brachen und Herzog Christian war verschieden.
Eine tiefe Stille trat ein, nur unterbrochen von dem lauten
Jammern und Wehklagen der Frau und ihrer nunmehr