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„Ich komme, Schwester!“ schrie Henry außer sich und
ein lautes Weinen hinter der Thüre antwortete nun dem
Bruder. Der Gewalt der drei Männer widerstand die
Pforte nicht, sie wich aus ihren Angeln und im solgenden
Augenblick lag Louise befreit, doch vor Aufregung und Er—
mattung ohnmächtig, in den Armen ihres Bruders.
Dieser besann sich nicht lange; wie eine leichte Last hob
er die Besinnungslose auf seine Schulter und eilte den
Weg zurück, von den beiden Anderen gefolgt. Es war auch
hohe Zeit, denn ein heller Lichtschein, der durch die Luken
zrang, zeigte den Flüchtigen, daß das sanatisierte Volk
bereils Feuer an die Gebäude gelegt. Doch glücklich erreichten
sie die untere Halle, dann den Ausgang des Klosters und
endlich das Freie. Hier schlug Louise die Augen wieder auf
und der Bruder ließ die Arme sanst auf eine der Bänke
unter den Linden niedergleiten.
„Henry — Bruder!“ hauchte Louise jetzt unter Thränen,
die eine selige Freude durchzitterte, während ihr zarter Kör—
per noch immer unter der Wucht des Erlebten zusammen—
schauerte. Tann fiel sie ihm um den Hals und die beiden
Eeschwister, welche so lange getrennt gewesen, sich nun un—
ter so eigentümlichen, tief ergreifenden Umständen wiederge—
funden, küßten sich so innig, wobei der Bruder ungehindert
seine Thränen mit denen der teueren Schwester sließen ließ.
Auch Altheim's Auge war naß geworden und der wa—
ckere Limburger wischte sich heimlich fluchend immerfort die
Augen. Da wandte sich Louise zu ihnen, reichte Hans von
Altheim, dann dem Jäger die Hände, und sie mit ihrem
lieben Blicke treuherzig anschauend, sagte sie innig:
„Auch Euch meinen Tank, Ihr lieben — lieben Freunde.
Jetzt sind wir einander wiedergegeben und werden uns nicht
mehr trennen. Toch nun — zum Vater.“
„Du bist frei, Louise!“ rief der Bruder. „Das Gesetz
hat in ganz Frankreich die Klöster und jedes Gelübde für
mmer aufgehoben und was drüben gilt, wird von nun an
auch bei uns Geltung haben. Du bist frei für immer.“
„Mehr als Deine Worte und das Gesetz,“ erwiderte
Louise mit auffallend fester Stimme, „gilt meinem Gewissen
das, was ich erleben mußte. Durch eine Lüge, die mir die
entsetzlichste Sünde: Verleumdung meines Vaters, meiner
Freunde! ausbürdete, wurde ich dem Kloster geweiht; die
Erkenntnis löste das Band, das Jene nun vollends zer—
rissen, indem sie mich aufgaben, flohen, um mich einem
Schicksal zu überlassen, das gewiß ein entsetzliches geworden
wäre, wenn der Himmel mir nicht meine Lieben zur rech—