Full text : Der Karlsberg

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dann in der solgenden Nacht einen Gewaltversuch zu
wagen. Zu diesem Behuse sollte Altheim seine Knechte
mitbringen, während der Limburger versprach, im Laufe
des kommenden Tages mehrere unzufriedene, revolutions—
lüsterne Bauern der Umgegend zu dem nächtlichen Werke
zu werben.
Tamit trennten sich Beide. Der Limburger kehrte zu
dem schlummernden Tümmler zurück, der, ruhig und gleich—
mäßig atmend, wohl noch immer von seinem Kinde und
einem glücklichen Zusammenleben träumte.
In dem Kloster Gräsinthal war auf die aufregende
Szene des Nachmittags noch eine von ganz anderer, weit—
tragender Bedeutung gefolgt, welche von entscheidendem
Kinfluß auf das ganze Kloster und seine sämtlichen Bewoh—
ner sein mußte.
Die Frau Aebtissin hatte befohlen, Schwester Regina,
die sich so ungehorsam erwiesen, vor der Hand in ihre Zelle
zu sperren, dann bedurfte sie selbst Zeit, sich von ihrer un—
gewöhnlichen Aufregung zu erholen, durch stärkende Tro—
pfen und köstliche Tränklein vor den schädlichen Folgen zu
chützen, die solcher sündiger Aerger auf die Gesundheit aus—
iben konnte. Für den Abend war eine Sitzung sämtlicher
stlostersrauen im Kapitelsaale angeordnet worden, allwo
dann das Weitere über die jugendliche Sünderin und das
Wohl des Klosters im Allgemeinen beschlossen werden sollte.
Zur einstweiligen Vorsorge sollten dann auch alle Psorten,
die der Kirche sowohl, wie der übrigen Gebäude, verschlossen
bleiben und bis auf weiteren Befehl Niemandem geöffnet
werden. Tie Hunde wurden frei in den Hofraum gelassen,
die Knechte angewiesen, die ganze Nacht zu wachen, und die
Nonnen durften ruhig sein, sie konnten ruhig beraten und
schlafsen. — So dachten sie!
Doch es sollte den armen Frauen in dieser Nacht und
überhaupt keine Ruhe mehr in ihrem Gräfinthal werden,
denn kaum hatte die Abendglocke geläutet, die verhängnis—
dolle Sitzung begonnen, da donnerten Schläge wider das
Thor und ein reitender Bote brachte einen Brief von dem
sJochwürdigsten Bischof von Metz, dessen Inhalt das ganze
Kloster in die entsetzlichste Aufregung versetzte.
Der hohe Prälat hatte sich mit Gefahr seines Lebens
aus seiner rebellischen Diözese salviert, monatelang unter
einer Verkleidung geborgen gehalten, und endlich war es
ihm gelungen, glücklich über die Grenze zu gelangen.
Dies teilte er seinen getreuen Schäflein zu Gräfinthal
mit, gab ihnen mit seinem Segen den Rat, sich ebenfalls,
            
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