Full text : Der Karlsberg

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zurufen, deren bereits einige mit entsetzten Geberden in das
Parloir stürzten. „Bei Gott und der heiligen Jungfrau,“
juhr er, vor Zorn an seinem ganzen, mächtigen Körper
zitternd, fort, „schwöre ich es hier, keinen Augenblick haben
wir das Thal verlassen, doch täglich, stündlich an der Psorte
dieses Sündenhauses gebettelt um unser Kind, unsere liebe
Louise, wir Alle, der Vater, wie der wackere Junker Hans
von Altheim und der Limburger. Hat man Dir Anderes
gesagt, dann haben die schändlichen Weiber Dich belogen
und ihrer Strafe sollen sie nicht entgehen. Dein Gelübde
ist null und nichtig, Tu gehörst wieder zu uns und ...“

Plötzlich wurden die Worte des Limburgers, der sich in
eine Wut hineingeredet, daß er sich sast selbst nicht mehr
kannte, kaum noch wußte, was er sagte, durch ein gräß—
lich klingendes Geschrei von verschiedenen Frauenstimmen
unterbrochen. Auf eine Aufforderung der Aebtissin, deren
jahles Gesicht vor Zorn verzerrt war, hatten sich die herbei—
gerufenen Nonnen kreischend auf die arme Schwester Regina
geworfen, um sie fortzuschleppen. Doch keine Gewalt brauch—
len sie mehr anzuwenden; noch während der Rede des Lim—
burgers hatte Louise die Hände von dem Gitter gleiten
lassen und mit den leise hingehauchten, von Thränen durch—
zitterten Worten: „Betrogen, betrogen! — armer Vater!“
war sie den immerfort kreischenden, schier wütenden Non—
aen wie ohnmächtig in die Arme gesunken und von diesen
aus dem Varloir geschleppt worden.

Noch war der Limburger nicht zur Besinnung über die
olötzliche Unterbrechung seines etwa gar zu derb geratenen
Ausfalls gekommen, als er sich allein in dem Zimmer be—
and. Schon wollte er seiner ersten Eingebung folgen, die
Stäbe des Gitters zertrümmern, durchbrechen, die Thüre,
hinter welcher Louise mit den Nonnen verschwunden war,
prengen, um die Aermste mit Gewalt aus den Händen ihrer
Peinigerinnen zu befreien, als er noch zur rechten Zeit inne—
hielt. Er allein vermochte, trotz seiner Kraft und seines
Mutes, nichts, denn das Kloster hatte mehrere hand—
este und gutbewaffnete Knechte und bissige Hunde als Wäch—
ter, und in einem Kampfe mußte er unterliegen. Nur zu oft
hatte er srüher diese Verteidigungsmittel der feindlichen
flösterlichen Festung Revue passieren lassen und sich zu
schwach gefunden, allein mit Erfolg dagegen zu operieren.
Er mußte sogar eilen, wollte er nicht durch das Schließen
der schweren Pforten zum Gefangenen werden. Ein Rück—
zug war vor der Hand das Klügste, hatte er doch einen wirk—
            
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