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das Gitter zu und fragte mit zitternder Stimme nach dem
Vater. —
Einen Augenblick hatte die ehrwürdige Frau geschwankt,
als der Jäger an Stelle des alten Dümmler verlangt,
Regina zu sprechen. Der Mann hatte indessem so ernst drein—
geschaut, daß die Frau Aebtissin in sein Begehren gewilligt.
Zugleich war jedoch auch die Neugierde in ihr rege geworden,
und so beschloß sie denn, der Unterredung beizuwohnen.
Wie eine unantastbare Wächterin hatte sie sich bei dem
GBitter aufgepflanzt und das graue, tiefliegende Auge des
hageren Gesichtes sunkelte bereits, als Schwester Regina,
dem erhaltenen Wink zuwider, nur ihren Gefühlen und
nicht der Klosterregel gesolgt war und in so sichtlich aufge—
regter Weise nach ihrem Vater gefragt hatte.
Der Limburger schaute die arme Nonne eine ganze
Weile mit einem eigentümlichen Blick an, in dem Ver—
wirrung, die aufrichtigste Neigung und das tiefste Mitleid
sich um die Herrschast stritten, dann aber wandte er die
großen Augen auf die ehrwürdige Mutter, die marmorkalt
dastand, und nun sand er seine Fassung wieder, wußte er,
was er wollte und zu thun hatte. „Ich darf sie jetzt nicht
schonen, mit Gewalt muß sie angegriffen, darniedergedrückt
werden, denn nur so kann ihr Herz empfänglich gemacht
wverden für das, was ich ihr zu sagen habe. So muß ich
handeln und wenn ihr auch selber das Herz dabei bluten
ollte.“
Also hatte der Limburger schon auf dem Wege nach
dem Kloster, in seiner treuherzigen Einfalt sich seinen An—
grisssplan zurechtgelegt, und deshalb antwortete er jetzt in
suepe Weise der in zitternder Spannung harrenden jungen
Nonne:
„Euer Vater, Schwester — Regina, ist krank! Was wir
Alle besürchteten, geschah: er ist erblindet. Der Schlag
hat ihn so hart getrosfen, daß er elendiglich krank zu Bette
liegt und wohl sür lange Zeit nicht mehr zu seinem Kinde
vird kommen können.“
Louise hatte einen wimmernden Weheschrei ausgestoßen,
dann war sie, die weißen Hände vor die Augen schlagend,
in einen Stuhl gesunken, weinend und schluchzend, daß es
dem armen Jäger schier das Herz erdrücken wollte.
Die Aebtissin stürzte auf die Unglückliche zu, um sie
mit ihren Mutterarmen zu umfangen, wohl auch mit süßen,
heiligen Worten zu trösten. Doch wandte sich vorerst ihr
zürnendes Antlitz nach dem Manne hin und sprach un—
willig: