Full text : Der Karlsberg

1423 —

mit meinem Kinde — künde Louise schonend an, was ge⸗
schehen, vielleicht — vielleicht gestattet man ihr, daß sie
ihren — kranken Vater besuche. Gehe — wenn es Zeit
dazu ist.“

In dem Kopfe des Limburgers flammte es plötzlich
hell auf. Ein Gedanke durchzuckte ihn, der sein Herz mit
glühender Freude erfüllte. Das war ein Fingerzeig Gottes.
Die Geleenheit mußte er benutzen, um Louise Alles ßu
sagen — Alles, was er auf dem Herzen hatte, trotz der
Aebtissin und der alten lügnerischen Pförtnerin, — wie
man sie, Louise, Vater Dümmler, Alle betrogen, und was sie
Alles dadurch gelitten. Das mußte wirken. Licht sollte
der armen Gefangenen werden, erfolgte auch daraus, was
da wolle — am Ende gar jetzt schon die heißersehnte
Freiheit.

So dachte der ehrliche Jäger und so beschloß er zu han—
deln. Toch behielt er wohlweislich seine Gedanken für
sich, selbst als Herr ron Altheim kam, dessen Obhut er den
Ktranken übergeben konnte; selbst diesem Vertrauten fagte
er nichts von seinem gewagten Vorhaben. Nur sein Ge—
sicht kündete eine innere Zufriedenheit, die in gar keinem
Einklang stand zu dem Unglück, das in dem kleinen Kreise
eingekehrt.
Altheim, den die Nachricht auch tief erschütterte, blickte
fragend, befremdet zu dem Manne auf, an dessen treuester
Anhänglichkeit er bisheran so fest geglaubt. Doch der Lim—
burger beseitigte etwaige Zweifel nicht durch irgendwelche
aufklärende Worte, er nahm raschen Abschied von dem
armen Blinden und seinem nunmehrigen Hüter und trat
en Weg nach dem Kloster an, um seine Mission zu erfüllen.
Einförmig, doch in einer frommen Ergebenheit, die
oftmals eine selige Freude sanft verklärte, waren der jungen
Schwester Regina die Tage, Monden und Jahre in den
Mauern des Klosters verflossen und der Tag war heran—
gekommen, an dem der Limburger seinen Gang nach dem
Kloster antrat.
Louise wurde ins Parloir beschieden, doch diesmal be—
gleitete die Aebtissin die junge Schwester auf dem Gange,
vas seit langer Zeit nicht vorgekommen war.
Wie erstaunte, erschrak Louise, als sie, anstatt des Va—
ters, den Jäger Limburger vor dem Gitter sah, den sie seit
Jahren nicht gesprochen, nur in der Kirche, aus der Ferne,
flüchtig erblickt hatte. Sie ahnte ein Unglück, und den ern—
sten Blick der Aebtissin nicht beachtend, trat sie heftig auf
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.