Full text : Der Karlsberg

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prechen, seinen geheimsten Hoffnungen und Wünschen nur
andeutungsweise Ausdruck geben zu können.
Zu Anfang dieses Jahres 1793 geschah in dem kleinen
streise etwas, was lange vorauszusehen gewesen war und
nicht hatte ausbleiben können. Der alte Tümmler, dem der
dimmel den letzten Schimmer des Augenlichtes unerwartet
lange gegönnt, der sich bisheran noch immer an den Zügen
des Antlitzes seines teueren Kindes, wenn auch mit größ—
ten Mühen hatte ersreuen können, erblindete vollends. Eines
Morgens erwachte er und tiefe Nacht war es um ihn
—
leuchtete. Der letzte Schimmer des Tages war von ihm
gewichen, dem armen Blinden ein ewiges Dunkel hinter—
lassend.
Der alte Mann hatte dies traurige Schicksal wohl von
Tag zu Tag erwartet, er war darauf vorbereitet gewesen,
und dennoch erschütterte ihn das endliche Eintreffen mit
sfurchtbarer Gewalt. Es warf ihn darnieder, und keine
straft fand der Arme, dagegen anzukämpfen. Ein Gedanke
bernichtete jedes Streben: „Tein Kind wirst Du nicht mehr
sehen können!“ So jammerte es in ihm. Himmel, Erde, das
Grün des Waldes, der Sonne goldener Glanz — was waren
sie ihm gegen die hellen Augen, die ihn wie die herrlich—
sten Hinmelssterne, in reiner, beseligender Liebe anblick—
ten! Dies war dem Armen nun für immer verloren!
Jetzt fand er sich mehr wie einsam; wie sein heißgeliebtes
stind lebte er zwar, doch wie dieses fand er sich, wenn
auch in anderer Weise, in einem ewigen, ntsetzlichen
DTunkel begraben.
Auf den wackeren Limburger machte der traurige Vor—
all eine tiefe Wirkung, die gewaltige Gestalt zitterte und
den Augen entrannen wahre Thränenströme. Und in diesem
wehen Augenblicke besand sich Louise nicht an der Seite
des Vaters, diesen zu trösten und den entsetzlichen Schmerz,
der dem Armen geworden, zu lindern! Das Herz wollte
sich dem Manne in der Brust herumkehren und eine zür—
aende Aufregung überkam ihn, der er nicht Herr zu werden
vermochte.
Da rief der alte Dümmler ihn mit matter Stimme au
sein Lager.
„Ich fühle mich nicht wohl, der Schlag hat mich ge—
troffen, doch zu hart!“ sagte er fast tonlos. „Und doch
muß unserer Louise mitgeteilt werden, wie schwer mich
GBott heimgesucht. — Ich vermag es nicht — heute nicht.
Behe nach dem Kloster, Limburger, sprich Du statt meiner
            
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