Full text : Der Karlsberg

— 414 —

Zweites Kapitel.

Flucht! — Die Strafe beginnt.

Zweibrücken war von den Franzosen neutral erklärt
worden, doch die Schreckensherrschast brach an, und der
Konvent von heute kehrte sich nicht an einen Beschluß, den
er gestern gefaßt. Den Heerführern der Republik waren
indere Weisungen zugegangen und General Landremont
erhielt Besehl, das Herzogtum zu besetzen, dessen zeitweili—
gen Machthaber, Herzog Karl den Zweiten, gefangen zu
nehmen.
Wenige Tage nach der erzählten nächtlichen Unterredung
des Herzogs mit der Zigeunerin, am Nachmittage des
9. Februars, überschritten mehrere französische Dragoner
unter Anführung eines Kapitäns in der Gegend von Horn—
bach die Grenze und ritten auf die Stadt Zweibrücken zu.
Unterwegs begegnete ihnen ein Bäuerlein, das mit einem
kleinen Bündel auf der Schulter, einen Stock in der Hand,
wohl auf der Wanderung begriffen war und bei dem An—
blicke der seindlichen Kavallerie nicht wenig erschrack.
Plötzlich sprengte der Kapitän auf den Bauer zu, und
während die Dragoner aus seinen Befehl ihren Weg fort—
setzten, begann er in deutscher Sprache und besehlender
Weise ein kurzes Gespräch mit dem Manne.
„Woher des Weges und wohin? — Wie heißt Du?“
„Ich bin der Nitlas Pfeiffer von Rohrbach, droben bei
Homburg,“ antwortete das Bäuerlein zitternd, „komme vom
Ringweiler-Hof, wo mein Tochtermann haust, und will
jeim.“
„Bist Du auf dem Karlsberge bekannt?“
„Ei freilich, Herr Kapitän! war lange Jahre Garten—
knecht und Wärter in der Karlslust, und wäre es noch
venn —“
„Das trifft sich gut!“ unterbrach der Kapitän den bereits
cuhiger gewordenen Mann. Dann fuhr er leiser fort, indem
er ein Notizbuch unter seiner Uniform hervorlangte: „Willst
Du für mich einen Gang nach dem Karlsberge, oder viel—
mehr nach der Karlslust, thun, so soll es Dein Schaden
            
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