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„Und warum bist Du nicht zu mir gekommen, sogleich,
wie ich es befohlen? Ich habe Deiner vergebens meh—
rere Stunden gewartet.“
„Du ließest mich Jahre warten,“ murmelte die Zigeu—
nerin fast lautlos, dann aber hob sie den Kopf und sagte
rasch und laut: „Freue Dich, daß Du mich nicht früher ge—
ehen mein Kommen bedeutet für Dich nur Unheil. Doch
rede!“
Noch zögerte der Herzog, endlich richtete er sich in
seinen Kissen vollends auf, nahm eine sitzende Haltung an
und sprach langsam:
„Einmal — vor Jahren — in einem entscheidenden
Augenblicke meines Lebens hast Du mir die Zukunst vorher—
gesagt. — Kannst Du dies auch heute?“
Eine ganze Weile schaute Jana den Sprecher an, ihr
Blick drückte eine solche innere Besriedigung, eine solche
Ueberlegenheit mit Hohn gepaart aus, daß der Herzog sein
Auge niederschlagen mußte. Endlich sprach sie:
„Ich kann es und will es — und weiß, warum ich
es will — doch wird es Dein Unglück sein!“
„Rede! ich trotze meinem Schicksal!“ klang es mit wil—
dem Aufschrei.
„Dann höre!“ entgegnete Jana nach einer Pause, indem
sie sich hoch aufrichtete. Wieder flammte ihr Auge auf,
doch hatte sein Auge diesmal einen seltenen, prophetischen
Glanz und die alternden Zügen gewannen Spuren ihrer
ehemaligen dämonischen Schönheit. Eine wilde Freude über—
slog sie, trotz der ernsten Rede.
Lautlos, unbeweglich horchte der Herzog den inhalts—
—
klangen.
„Die Stunde der Großen dieser Erde ist gekommen,“
sprach Jana. „Daß die Revolution in Frankreich Siegerin,
das unterdrückte Volk dort souverän geworden ist, weißt
Du, wenn Du es Dir auch nicht in solchem Umfange ge—
stehen willst. Doch Du ahnest nicht einmal, was das Volk
vollbracht hat. Höre! Seinen Tyrannen legt es die Köpfe
vor die Füße: in Paris hat die Guillotine das rächende
Werk sortgesetzt, und wie durch sie und die Septembriseurs
der blutsaugende Adel und die heuchlerischen Gottesknechte
von der Erde vertilgt wurden, so hat nun auch das Straf—
gericht das eigentliche Haupt des Adels getroffen: Ludwig
Tapet, der ei-devant-König von Frankreich, ist durch die
Guillotine gerichtet worden, der Henker hat sein blutiges
Haupt dem Volke als das eines Verräters gezeigt. Sein