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nicht aus dem Schlosse selbst. Es war Mutter Agnes, die
bereits eine furchtbare Strafe ereilt hatte. Sie war wahn—
sinnig geworden und der Herzog, in einem Augenblicke guter
Laune, wohl auch der vielen Verdienste der würdigen Frau
gedenkend, hatte befohlen, daß man die Kranke in einem
Zimmer des großen, leerstehenden Appartements unterdringe
und dort pflege. Auf alle Fälle hatte der auffallende
Befehl eine tiefere Bedeutung, er konnte als Ergänzung der
entseßzlichen Strafe gelten, welche der Frau geworden,
wie aͤuch als Beweis, daß das Appartement nie mehr be—
wohnt werden, seine letzte Herrin keine Nachfolgerin erhal—
ten sollte.
Frau von Esebeck verstand Beides und verließ
unbemerkt den Karlsberg, den Herzog nunmehr vollständig
den Händen seines getreuen Destner überlassend.
Doch dieser vermochte nichts gegen die immer näher
rückende Entscheidung. Die Gefahren wuchsen, mehrten sich
von Tag zu Tag; schon war auf dem Karsisberge selbst unter
den Soldaten ein Komplott entdeckt worden. Eine Anzahl
Chevauxlegers wollte mit Sack und Pack zu den Franzosen
übergehen. Die Meuterer wurden einfach entwaffnet und
davongejagt — sie erschießen zu lassen, wagte der Herzog
nicht. Vafür wurde ihm die Ahnung, daß wohl keine Rett—
ung mehr möglich sei, daß die ihm stets näher rückenden
Wogen der Revolution, die Sündflut, welche er früher in
seinem Uebermute, jener Pompadour gleich, so oft herauf—⸗
beschworen, ihn und Alles, was er geschaffen, geliebt, ver—
schlingen würde. —
Der Herzog war mit Destner und einem kleinen Gefolge,
im sich zu zerstreuen, mit Gewalt von seinem düsteren Ge—
banken zu besreien, hinaus auf die Jagd geritten. Doch er
jagte nicht, unbekümmert ließ er das Wild an sich vorbei
schießen, denn der Ort, wo er sich befand, hatte andere
Bilder in ihm wachgerufsen, die ihn immer mächtiger zu
fesseln begannen. Eine Zufall leitete ihn wohl in den
önigsbruch, jetzt ein stattlicher Eichenschlag, wo vor etwa
achtzehn Jahren, Anno 1775, eine Parforce-Jagd statt⸗
gefunden, die ihm, dem Brütenden, ein Herzogtum einge—
bracht. Er gedachte jener Zeit, immer lebendiger wurden
halbvergessene Vorgänge in ihm; er sah seinen Ohm, von
dem Hirsche gespießt, vor sich liegen, doch schaute sein in—
neres Auge auch wieder jene buntgeschmückte braune und so
schöne Frau, die er auf dem damals öden Berge getroffen
und ihm Alles, was dann geschehen, vorausgesagt.