Full text : Der Karlsberg

4101 —

Vierte Abteilung

die Sündftut (1793).

Erstes Kapitel.

Ein letztes Ringen.

Drei Jahre sind vergangen; wir befinden uns im Ja—
tuar des Jahres 1793 und für die Pfalz wie für Frank—
reich hat eine der verhängnisvollsten Epochen begonnen.
Wie die Weltlage, ist auch die Physiognomie des Karls—
berges seit 1789 eine total andere geworden und noch immer
ein Stillstand nicht abzusehen. Die Revolution hat in
Frankreich nur zu rasche Fortschritte gemacht, sie ist bei
dem Schrecken angelangt, der im Verein mit seiner bluti—
gen Braut, der Guillotine, unter dem Jubel schamloser
Megären seine furchtbaren Orgien feiern und
endlich die eigenen Priester verschlingen wird. Auf den
blutigen 10. August ist der noch blutigere 2. September ge—
solgt; ein mächtiger Versfuch von auswärts, die Greuel,
velche das Nachbarland heimsuchen, zu hemmen, zu ban—
nen, ist gescheitert; die deutschen Armeen müssen
nach einem kurzen, resultatlosen Feldzug wieder heimkeh—
ren und nun erhebt die Revolution ihr Haupt frecher, denn
früher. In Frankreich wird die Repuüblik erklärt, ihre wil—
den, zerlumpten Schaaren dringen am Rhein vor, Speier,
Mainz werden genommen und überall proklamieren die
neufraͤnkischen Volksbeglücker die „Menschenrechte,“ um in
hrer Zügellosigkeit sofort jedes bestehende wohlerworbene
Recht höhnend mit Füßen zu treten. In diesem beginnen—
den Kriegstrubel scheint ein besonderes Glück das kleine
Pfalz⸗Zweibrücken zu begünstigen, denn es wird von den
Republikanern als ein neutrales Ländchen bezeichnet, das
»on Freund und Feind geachtet werden soll. Doch es ist
tur ein scheinbarer Vorteil, denn wenn dem Herzog Karl
auch von außen für eine kurze Zeit keine Gefahr droht, so
            
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