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Der Nachmittag, die Stunde, die Dümmler bezeichnet
worden war, kam endlich heran, und abermals leitete der
treue Jäger den Alten hinauf zu den Linden bei der
Klosterpforte, wo die Schwester mit seligem Lächeln den
Bruder in Empfang nahm.
Tas Herz des alten Mannes schlug gewaltig und seine
armen Augen strengten sich mit einem heiligen Eisfer an
etwas mehr als den bloßen Lichtschimmer zu sehen, die
Züge seines lieben Kindes erkennen sich an ihrem sanften
Lächeln erfreuen und stärlen zu können. Das Parloir war
leer, er setzte sich auf die Bank vor dem Gitter und wartete.
Endlich erschien die Frau Aebtissin und sagte mit sal—
hungsvoller Freundlichkeit zu dem Harrenden, daß der
Himmel ein Wunder an seinem Kinde gethan, daß er es
würdig befunden, für das ganze Leben der Kirche und für
die Ewigkeit dem Himmel anzugehören; daß er, der Va—
ter, das hohe, seltene und heilige Glück wohl lobpreisen
werde, da es ihm zugleich gestatte, wenn auch nur durch das
Bitter der Parloirs, zu sehen und zu sprechen, wenn kr
nur darnach verlange und die Klosterordnung es erlaube.
„Foltert mich doch nicht länger mit Eurer Rede,“ jam—
merte der Vater, „sondern gebt mir mein Kind zurück! —
Laßt mich meine Louise wiedersehen!“
„Regina ist fortan ihr Name und Euer Wunsch soll
sogleich erfüllt werden.“
So klang es kalt, doch salbungsvoll, wie früher. Die
Aebtissin öfsnete dabei eine schwere, braungetäufeltz? Thür
und eine junge Nonne erschien.
Es war Louise.
Ihr liebes Antlitz war bleich, doch im Augenblicke von
einer Röte angehaucht, ihr Auge voller Thränen. Mit
einem freudigen Aufschrei wollte sie auf das Gitter zu—
stürzen, hinter dem sein Vater, weinend und die Hände
ringend, saß, doch ein ernster Blick, ein gebieterischer Wink
der Frau Aebtissin hält sie zurück, und schüchtern, die
Augen niedergeschlagen, schritt die arme Gefangene auf den
alten Mann zu.
„Mein Vater! —“ hauchte sie kaum hörbar durch das
Gitter.
Jetzt wandte der alte Mann, welcher das Nahen der
sungen Nonne nicht bemerkt hatte, den Kopf. Er erblickte
hinter dem Gitter das in weiße Tücher eingehüllte, we—
aende Antlitz, erkannte wohl auch mit einem Aufgebo tsei—
ner Sehkräste die Züge seines Kindes, dann streckte er
die Hände vor, welche jedoch an den Stäben des Gitters